Ausstellungen: München , 2008

Cornelia Gockel

Female Trouble

Die Kamera als Spiegel und Bühne weiblicher Inszenierungen

Pinakothek der Moderne, 17.7.-26.10.2008

Als Valie Export 1969 mit wild auftoupierten Haaren, einem Gewehr bewaffnet, schwarzer Lederjacke und ihrer Aktionshose „Genitalpanik“, einer im Schritt geöffneten Hose, bekleidet durch die Sitzreihen eines Münchner Kinos marschierte, sprangen die Leute auf und ergriffen eilig die Flucht. Kein Wunder, denn das Bild, das die junge österreichische Künstlerin vermittelte, war so ziemlich das Gegenteil von holder Weiblichkeit, die sonst auf der Kinoleinwand in Szene gesetzt wurde. Dabei wollte die Künstlerin, in dem sie die Zuschauer aufforderte sie zu berühren, nur auf den Unterschied zwischen realen Frauen und den Filmschönheiten aufmerksam machen. Valie Exports Aktionen sind längst Geschichte. In ihrer Radikalität machen sie aber auf den auch heute noch bestehenden gesellschaftlichen Druck aufmerksam, den medialen Vorbildern von inszenierter Weiblichkeit zu entsprechen.

„Als Frau wird man nicht geboren, man wird es.“, schrieb Simone de Beauvoir 1949 in ihrem grundlegenden Werk „Das andere Geschlecht“. Beauvoir hat das Buch vor der Zeit der Gender-Studies verfasst, aber es verweist bereits auf den Unterschied zwischen biologischen Geschlecht und Geschlechtsidentität. Im Englischen stehen dafür die Begriffe Sex und Gender zur Verfügung. Einen Schritt weiter geht 1990 die amerikanische Wissenschaftlerin Judith Butler mit ihrem Werk „Gender Trouble“, in dem sie behauptet, dass das Geschlecht performativ erzeugt wird. Um die Herrschaftsverhältnisse aufzubrechen, denen die Einteilung der Geschlechter zugrunde liegt, plädiert sie für eine Geschlechtertravestie. In München in der Pinakothek der Moderne beschäftigt sich nun eine Ausstellung mit der Repräsentation des Weiblichen seit der Erfindung der Fotografie,…

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von Cornelia Gockel

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