Magazin · S. 517
Magazin , 1989

Filiberto Menna

Es gibt nur wenige Kunstkritiker, die den Mut aufbringen, ihre eigenen Gedanken zu entwickeln, und es gibt gleichermaßen wenige Kunsthistoriker, die die Größe besitzen, den Gegenstand ihrer Forschung mit kritischen Augen zu sehen. Filiberto Menna war eine jener Persönlichkeiten, die beides miteinander verbinden konnten. Es gehört vielleicht zu den Besonderheiten des intellektuellen Klimas in Italien, daß es dort häufiger als anderswo Persönlichkeiten in der Kunstvermittlung gibt, die mit einer umfassenden Bildung und einem präzisen Interesse an der Welt methodisch sauber und persönlich integer eine eigene Position entwickeln. Roberto Longhi, Lionello Venturi sind hier zu nennen wie auch deren Schülergeneration Carlo Giulio Argan, Guido Ballo oder eben Filiberto Menna.

In Salerno 1926 geboren studierte Menna zunächst Medizin, wechselte jedoch bald zur Kunstgeschichte und promovierte unter Lionello Venturi über Mondrian. Der Universität blieb er zeitlebens verbunden, zunächst als Assistent in Salerno und später als Professor für Kunstgeschichte in Rom an der Fakultät für Architektur. Mondrian war auch seine erste Publikation gewidmet, eine Monografie, die 1962 erschien. In rascher Folge erschienen bis zuletzt zahlreiche Bücher, die sich ausschließlich mit Fragen der Ästhetik der Moderne befassen. Methodisch selbst ein Moderner, interessierten Menna „weniger die Lösungen als die Probleme“, so Paolo Balmas in der „Repubblica“. Geprägt vom Antagonismus zwischen Idealismus und Marxismus interessierte ihn die Kunst „als Modell nicht eines rationalen sondern eines imaginativen, hartnäckig kreativen und synthetischen Denkens“, schrieb Argan in seinem Nachruf. Auffallend war die monografische Beschäftigung mit Künstlern, deren programmatische Position singulär war, neben Mondrian besonders Enrico Prampolini und Gino Severini. Das…

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