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Essay · von Amine Haase · S. 234 - 243
Essay ,

Fleisch als Metapher des Todes und als Lebenselixier der Malerei

Soutine und de Kooning, Tizian, Rembrandt und Caravaggio, Francis Bacon und Jean Fautrier als Protagonisten einer „peinture incarnée“, die wie ein blutroter Faden durch die Kunstgeschichte bis in die Gegenwart führt
von Amine Haase

„Fleisch ist das wahre Chaos aller Farben und eben deshalb keiner besonderen ähnlich, sondern die unauflöslichste und schönste Mischung aller.“ – Friedrich Wilhelm Schelling

„Fleisch ist der Grund weswegen die Ölmalerei erfunden wurde“, behauptete Willem de Kooning. Dass der 1904 in Rotterdam geborene, mit zwanzig in die USA ausgewanderte und dort 1997 gestorbene Maler sich intensiv mit dem „Fleischigen“ der Malerei ausein andersetzte, dazu hatte ihn die Malerei des elf Jahre älteren Chaim Soutine inspiriert. Dessen Bilder sah de Kooning in einer Ausstellung, die das New Yorker Museum of Modern Art dem russischstämmigen französischen Kollegen 1950 widmete, sieben Jahre nach seinem Tod: Bilder von Menschen, Landschaften, Tieren, die sich unter den pastos aufgetragenen Farbschichten zu winden – und zu verschwinden – scheinen, so dass man das Motiv vergisst und allein Malerei sieht: „fleischgewordene Malerei“.

„La peinture incarnée“ ist der Titel einer Ausstellung in der Pariser Orangerie, in der Bilder von Chaim Soutine und Willem de Kooning einander gegenübergestellt werden. Die malerische Fleischwerdung offenbart so ganz unmittelbar ihre Unterschiedlichkeit und ihren Facetten-Reichtum. Die Spannung dieser Bilder zwischen Form und Nicht-Form, einer Darstellung des Fleisches und der Gestik des Malens wird sichtbar, ja spürbar– tatsächlich eine „fleischgewordenen Malerei“. De Kooning ist in den neunzehnhundertfünfziger Jahren auf der Suche nach einem dritten Weg,…

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