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Titel: Vilém Flusser · von David Frankel · S. 97 - 97
Titel: Vilém Flusser , 1992

David Frankel
Flusser als Kolumnist

Die Gesetze der Physik, an die man sich noch vage von längstvergangenen High-School-Klassen erinnert, die Berichte über neue wissenschaftliche Erkenntnisse, die man in den Zeitungen und Zeitschriften liest und kaum versteht: Vilém Flusser gelang es, diese so zu interpretieren, daß grundlegende Ideen über die moderne Gesellschaft und, noch mehr, über das Leben im allgemeinen erleuchtet wurden. Er stellte die gewöhnlichsten wie die ambitioniertesten Praktiken des Lebens in den Kontext einer großen Vision des physikalischen Prozesses, der in der Natur und in der Technologie wirksam ist. Das war eine Vision, die an den Ursprung der Welt zurückreichte und bis in eine noch unbekannte Zukunft ausgriff, die aber in seinen Augen der Spekulation, einer ungefähren Darstellung ihrer grundlegenden Züge und Formen zugänglich ist. Und innerhalb dieser Vision wurde die innere Struktur unserer alltäglichen Aktivitäten wie durch einen Röntgenstrahl aufgedeckt. Was ist Kommunikation? Was ist Schreiben? Was ist das, was ein Künstler macht? Was ist Kunst? Das waren einige der in den Kolumnen implizierten Fragen, die Flusser für das ARTFORUM während der letzten fünf Jahre geschrieben hatte.

„Implizit“ sagte ich deswegen, weil die Texte Flussers fast mißverständlich zugänglich waren. Er würde mit einer großen Behauptung oder Frage beginnen, dann methodisch, vorsichtig, aber mit Humor, ihre verschiedenen Konnotationen herausstellen und sie dann streng, aber freundlich befragen. Am Ende des Essays würden wir vielleicht in den Begriff der Zeit, die Natur der Erfindung, die technologische Transformation der Welt, die Zufälligkeit der Sprache oder den mythischen Rahmen vom Paläolithikum bis zur Gegenwart verwickelt…


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