Biennalen: documenta · von Georg F. Schwarzbauer · S. 160
Biennalen: documenta , 1977

Georg F. Schwarzbauer

Fotografie auf der documenta

Eine Bemerkung Klaus Honnefs anläßlich seiner jüngsten Ausstellung im Rheinischen Landesmuseum Bonn hatte eine ungeahnte Kontroverse zur Folge. Bei der ersten umfassenden Übersicht zum fotografischen Oeuvre von Albert Renger-Patzsch, die es nach 45 zu sehen gab, übernahm der Documentamacher Honnef eine Definition des Fotografen und stellt sie, als zentrales Motto, in den Kontext seiner Überlegungen. Was Renger-Patzsch als Erklärung seines Tuns mit der lapidaren Feststellung – das Foto ist erstens Dokument, zweitens Dokument und drittens nichts anderes als Dokument – als Statement formulierte, gilt lt. Honnef für die Fotografie allgemein, wird sich in allen Bereichen des Mediums nachweisen lassen.

Überlegt man dieses Herausstellen des Dokumentarischen als eine forcierte Betonung jener festlegenden und auflistenden Absichten die in jeder Sparte der Fotografie deutlich werden, so ist das polemische Mißverständnis einer solchen Definition fast unbegreiflich. Was objektiv gesehen eigentlich als wohlüberlegte und übergeordnete Theorie zum Form-Inhaltproblem gesehen werden müßte, bestimmt doch der Tatort des Geschehens das Sagen und Zeigen der Dinge, läßt sich nur dann als Negativum werten, wenn nach traditionellem deutschen Brauch die Vorurteile zur bedeutendsten Ausstellung der Gegenwartskunst längst festgelegt sind. Ohne spezifische Kenntnisse der Materie wird argumentiert und abgeurteilt. Noch ist das Programm der ausgewählten Exponate gar nicht restlos bekannt, schon setzt besserwisserische nörgelnde Zurechtrückung ein, werden die Veranstalter mit schulmeisterlichen Belehrungen zensuriert. Um diesem Hick-Hack unqualifizierter Stellungnahmen zu begegnen wurden die nachfolgenden Bemerkungen zum Dokumentakonzept zusammengestellt. Sie sind zwei Interviews entnommen, die der Autor mit den beiden Abteilungsverantwortlichen Ende Januar dieses Jahres machte.

Die Idee in…

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