Ausstellungen: Arnsberg · von Uta M. Reindl · S. 416
Ausstellungen: Arnsberg , 2001

Uta M. Reindl

Frances Scholz

»Meeting Stanislaus«

Kunstverein Arnsberg, 21.1. – 11.3.2001

Bis in die frühen neunziger Jahre prägt die Farbfeldmalerei von Frances Scholz (Jahrgang 62) eine formale Geschlossenheit, entfalten darin klar gesetzte Farb-Bahnen Räume im Bild. Fast analog zu einem verstärkten Interesse an bewegten Bildern in Film und Video nimmt die in Köln lebende Künstlerin das Malerische zurück, um Farblinien und -bänder bis zur anscheinenden Beziehungslosigkeit über den Bildgrund zu bewegen. Wichtig scheint nun Dynamik und Antithetik der Bildsyntax, wichtig auch der Bezug zur außerbildlichen Wirklichkeit sowie eine Farbpalette, die sich meist hart vom weißen Bildgrund absetzt. Dass der Bildgrund nicht immer eine Leinwand sein muss, zeigt Frances Scholz mit ihrer Wandarbeit im Kunstverein Arnsberg. Fast kontrapunktisch zu dessen architektonischer Grundstruktur, die nahezu einen Halbkreis beschreibt, hat Frances Scholz in sparsamen Linien einen Bogen über Wände, Decke und Türrahmen von drei hintereinander liegenden Räumen gezogen und mit malerischen wie zeichnerischen Aphorismen eine raumverbindende Komposition geschaffen, deren vollständige Gestalt nur der wahrnehmen kann, der aus der Froschperspektive mit dem Gesicht dicht am Boden die Arbeit betrachtet. Assoziationen mit einer gekippten Fensterfront unter dem Spannungsbogen einer Arkade oder Brücke, in jedem Fall aber von einem Ensemble architektonischer Formationen entstehen. Der italienische Barockarchitekt Borromini inspirierte die Künstlerin während ihres Villa-Massimo-Stipendiums in Rom zu dieser Arbeit, vielmehr dessen Umgang mit Raum und Fläche, vor allem die in der barocken Überschwänglichkeit ungewöhnliche Strenge seiner Architektur.

Als Gegenpol zu der auf Innenräume verweisenden Wandarbeit zeigt Frances Scholz im hinteren Bereich des Kunstvereins Leinwände, die sehr frei auf das Äußere der…

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