Titel: Das neue Bild der Welt · von Florian Rötzer · S. 177
Titel: Das neue Bild der Welt , 1993

Onno Onnen

Für mich ist nicht das Erscheinungsbild interessant, sondern das Verhalten und die Bewegung

Bei der Robotik herrscht, wie bei allem, was mit dem Computer zu tun hat, eine Euphorie über das, was hier an Entwicklungen bald möglich sein soll. Man will uns glauben machen, daß es vielleicht bald Roboter geben könnte, die sich ähnlich wie wir in der Welt orientieren können. Hans Moravac hat bereits ein „postbiologisches Zeitalter“ ab etwa 2050 verkündet. Wie beurteilen Sie denn solche Erwartungen? Bislang jedenfalls sind die existierenden Roboter nur sehr eingeschränkte und sehr bescheidene Automaten.

Ich denke, daß diese überschießenden Erwartungen ganz unberechtigt sind. In der Robotik gibt es zwei Arbeitsrichtungen. Die eine besteht darin, daß man sich menschenähnlich denkende und reagierende Roboter ausdenkt und baut. Sie werden von einem zentralen Gehirn gesteuert. In ihnen werden „Weltbilder“ entworfen, die das Abbild der Umgebung darstellen als Voraussetzung dafür, daß sie sich in dieser bewegen können. Jeder Stuhl, der verrückt wird, erfordert eine Korrektur dieses „Weltbildes“. Diese Maschinen haben sich zu einer Komplexität und zu einer Schwerfälligkeit entwickelt, so daß sie meines Erachtens für kaum eine Aufgabe eingesetzt werden können – es sei denn zur prahlerischen Demonstration. Der Versuch beispielsweise, durch sie an Fertigungsstraßen fehlende Arbeiter zu ersetzen, ist eine Illusion. Die zweite Richtung geht dahin, wieder ganz klein anzufangen, also nicht ein zentrales Gehirn einzusetzen, sondern schlichte Vorgänge Etappe für Etappe zu realisieren. Sie werden durch einfache Computerebenen realisiert, die überschaubar bleiben, und im Laufe der Entwicklung mit anderen einfachen Tätigkeiten koordiniert. Laufen, Hindernisse erkennen,…

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