Ausstellungen: Kiel , 2009

Jens Rönnau

Gefrorene Zeit – Kunst aus der Antarktis

Stadtgalerie Kiel, 12.6. – 30.8.2009

Mitten im Sommer lockt die Kieler Stadtgalerie mit einer Bilderreise in die Kälte: In einer Ausstellung von vor allem Videos, aber auch Fotos werden Künstlerprojekte aus der Antarktis präsentiert – eine Schau, die bislang nur jenseits des Atlantik gezeigt wurde. „Gefrorene Zeit“ lautet der Titel. Doch so unspektakulär sich dies zunächst mancher vorstellen mag, so sehr nimmt es einen zunehmend gefangen. Immer und immer wieder sind Bilder aus dem ewigen Eis zu sehen, Filmszenen, Videostills, Geräusche kommen wie Urlaute in die Ohren. Die Welt des Südpols ist eine andere! Das gilt nicht nur für das Klima jener ewigen Eiszone, sondern auch für den Umstand, dass deren 14 Millionen Quadratkilometer messende Weiten lediglich zu friedlichen Forschungszwecken genutzt werden dürfen, dass hier keine Bodenschätze gefördert, keine Tiere gejagt werden dürfen, seit man sich 1959 mitten im Kalten Krieg im internationalen Antarktisvertrag darauf verständigt hat. Ja, es wurde sogar die Überlegung angestellt, ob es dort denn überhaupt eine Zeitmessung in jenen Breiten geben könne, die sich im Wesentlichen selbst überlassen ist – ein „Niemandsland“, wie es Martin Mosebach in seinem Roman „Der Nebelfürst“ nennt.

Knirschend und schmatzend buchstabiert sich die berstende Eisschicht ständig aufs Neue, die das Kieler Forschungsschiff auf seiner Reise durchpflügt. Der aus Südafrika stammende Wahl-Brasilianer Thomas Mulcaire hat seine Kamera vom fahrenden Schiff auf das umliegende Eis in Bewegung gerichtet. Ein stiller Bilderreigen entfaltet sich: Risse entstehen in weißlicher Eisfläche, geborstene Gemenge werden verschoben. Das Auge gewöhnt sich…

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