Titel: Grosse Gefühle , 1994

Ernst Florey

Geist oder Automat:
Spekulationen über das fühlende Gehirn

Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort.
Sie sprechen alles so deutlich aus:
und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus,
und hier ist Beginn und das Ende dort.
Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott,
sie wissen es alles, was wird und war;
kein Berg ist ihnen mehr wunderbar;
ihr Garten und Gut grenzt gerade an Gott.
Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern.
Die Dinge singen hör ich so gern.
Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm.
Ihr bringt mir alle die Dinge um.
Rainer Maria Rilke

Die Hirnforschung hat durch die Errungenschaften der Regeltheorie (Kybernetik), der Informationstheorie und der Computertechnologie eine Perspektive gewonnen, welche es möglich erscheinen läßt, das, was man bisher gewohnt war, als Wesen und Leistung des menschlichen Geistes zu verstehen, als Wesen und Leistung des als Supercomputer verstandenen Gehirns aufzufassen. Wenn man Computer als Automaten bezeichnet, dann kann man – demzufolge – auch das Gehirn als einen Automaten auffassen, der – salopp ausgedrückt – den Geist überflüssig macht. Der menschliche Geist wird zur unnötigen Fiktion. Muß das sein?

Simulation

Die Analogie von Computer und Gehirn wurde ermöglicht durch die detaillierte Erforschung der Hirnstruktur und die Erkenntnis, daß das Nervensystem aus prinzipiell gleichartigen Grundelementen aufgebaut ist, den Neuronen, deren charakteristische Funktion in der Erzeugung und Fortleitung elektrischer Pulse (Nervenimpulsen) besteht. Diese Neurone sind durch gleichrichterartige Elemente, Synapsen genannt,…

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