Titel: Fiktion der Kunst der Fiktion · von Hans Ulrich Reck · S. 66
Titel: Fiktion der Kunst der Fiktion , 2010

Hans Ulrich Reck

Gelingende und scheiternde Selbsttäuschung.

Fiktion, Amok und die Frage nach dem ‚Wahren‘

Nichts als die Wahrheit‘ – das ist eine Formel, die man in vieler Hinsicht braucht, wenn man etwas Ernsthaftes sagen oder gar Wahres bezeugen will. Als eine wesentliche Frage ergibt sich immer wieder, ob diese Insistenz auf Wahrheit überhaupt haltbar ist, ohne einen Bezug zu haben zu etwas anderem, also ohne einen Widerspruch zu setzen. Verantwortung übernehmen bedeutet konzeptuell, Ambivalenzen auszuhalten ohne zu betrügen und ohne die eine, gelöste und gereinigte Seite des Widersprüchlichen als unmittelbar gegebene, gesicherte oder geschenkte Wahrheit zu behaupten. Bekanntlich gibt es nicht einen komplementären Gegenbegriff zu ‚wahr‘, sondern mehrere. Einer davon ist die Falschheit, ein anderer die Lüge, ein dritter die Täuschung. Das heißt, es sind verschiedene Begriffskombinationen von Antipoden zu ‚wahr‘ denkbar.

Erst durch radikalisierte Selbstkritik der Selbstkritik, also einer anhaltenden Bearbeitung des alten platonischen Verdachtes, wir kämen aus der Höhle des nicht-bemerkten Gefangenseins in Illusionen und Selbstverblendungen nicht hinaus, gelangen wir auf einer prinzipiellen Ebene zu einer vollen Anerkennung der gegenwärtigen, medial so ungeheuer intensivierten Täuschungen und Selbsttäuschungen. Filme wie ‚Matrix‘ und ‚Matrix reloaded‘ sind interessant in dem Sinne, dass die experimentelle Philosophie der science fiction ein reichhaltiges, die Metaphysik beerbendes Gebiet ist. Es geht darin nicht nur um das Pandämonium einerseits, das Paradies der Effekte und Täuschungen andererseits, die man vorgeführt bekommt. Im Spektakel des Kinos genießen wir es unbedingt, etwas für wahr zu halten, von dem wir doch wissen, dass es eine Vortäuschung ist. Ja, gerade insoweit wir wissen,…

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