Gespräche mit Kunstvermittlern: Biennale Venedig · von Amine Haase · S. 412
Gespräche mit Kunstvermittlern: Biennale Venedig , 1999

Generelle Befreiung

ZUR BIENNALE VENEDIG UND ZUM WELTUNTERGANG IN ZÜRICH

AMINE HAASE SPRACH MIT HARALD SZEEMANN AM 15.3.1999 IN KÖLN

Harald Szeemann (65) ist der „Direktor für bildende Kunst“ einer neu strukturierten Biennale Venedig. Die Biennale 1999 wird am 13. Juni eröffnet und dauert bis zum 7. November. Der Schweizer Ausstellungsmacher – der für so berühmte Veranstaltungen wie die documenta (1972) verantwortlich war, der die „Junggesellenmaschinen“, den „Monte Veritá“ oder „den Hang zum Gesamtkunstwerk“ für die Kunstgeschichte verewigte – organisiert gleichzeitig zu den Biennale-Vorbereitungen eine Jahrtausend-Bilanz für die Kunsthalle Zürich; sein „Weltuntergang“ findet am 27. August statt, entsprechend der Voraussage von Nostradamus, und dauert bis zum 7. November. Im Mittelpunkt des folgenden Gesprächs steht die Biennale Venedig, die Szeemann wieder zur „jüngsten“ machen möchte, „mit straffen Brüsten“, wie er schmunzelnd sagt – obwohl sie im Kreis der inzwischen zwischen Berlin und Istanbul, São Paolo und Lyon wie Pilze aus dem Boden schießenden „Biennalen“ die älteste ist. 1999 findet sie zum 48. Male statt.

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Amine Haase: Die Biennale Venedig startet mehr als hundert Jahre nach ihrer Erfindung neu durch. Wie sieht dieser Neubeginn aus, Harald Szeemann?

Harald Szeemann: Die staatliche Institution Biennale ist in eine private Stiftung umgewandelt worden, auf Italienisch: societá di cultura. Das neue System vereinfacht vieles. Der neue Präsident Paulo Baratta ist ein Ex-Minister und sehr ehrgeizig. Er will die Reform durchsetzen, und zwar in den vier Jahren, für die wir alle gewählt worden sind. Wir, das sind die künstlerischen Leiter der sechs Abteilungen: Bildende Kunst, Architektur, Film und jetzt auch Tanz, Musik…

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