Ausstellungen: München · von Jolanda Drexler · S. 270
Ausstellungen: München , 2014

Jolanda Drexler

Georg Baselitz

»Damals, dazwischen und heute«

Haus der Kunst, München, 19.9.2014 – 1.2.2015

Alle waren sie gekommen zum Ereignis der Saison – die Politiker, die Schickeria, die Großkritiker und die einfach nur Kunstbegeisterten: Georg Baselitz eröffnete seine große Ausstellung im Haus der Kunst mit einem Gespräch mit dem Kurator Ulrich Wilmes. Großformatige Gemälde aus wichtigen Phasen seines fünfzigjährigen Schaffens füllen nun die repräsentativen Erdgeschossräume, wobei die sogenannten „Schwarzen Bilder“ gemeinsam mit den ebenfalls schwarzen Monumentalskulpturen als jüngste, 2011 einsetzende Werkproduktionen im Mittelpunkt der Schau stehen – nach Wilmes liefern sie die „ikonographischen Schwerpunkte der Konzeption“. Wie kaum ein anderer verkörpert Baselitz exemplarisch ein deutsch-deutsches Künstlerschicksal. Als 1938 Geborener fiel seine Kindheit in die prekärste Zeit deutscher Geschichte. Hans-Georg Kern, wie er ursprünglich hieß, wuchs in Deutschbaselitz in der DDR auf – bezeichnenderweise nahm er später seinen Herkunftsort als Künstlernamen an. Sein Studium an der ost-berliner Hochschule für bildende und angewandte Kunst musste er nach zwei Semestern (1957) „wegen gesellschaftspolitischer Unreife“ abbrechen, um dann im Westen der Stadt bei dem Informel-Maler Hann Trier zu studieren. Hier sieht er erstmals 1958, geradezu bestürzt, Werke von Willem de Kooning und Jackson Pollock. Der ideologische Gegensatz zwischen den beiden Gesellschaftssystemen bildet gewissermaßen den Nährboden für seine figurativ expressive Kunst. Hier der Westen, der die Abstraktion als Ausdruck grenzenlos freiheitlicher Gesinnung feiert, dort der Osten, wo die Kunst in Gestalt des Sozialistischen Realismus politische Verantwortung zu tragen hat. Baselitz will sich keinem Lager zuordnen, widersetzt sich dem Mainstream, verachtet Konventionen und Moden. Wie wichtig ihm die Rolle…

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