Titel · von Susanne Boecker · S. 314
Titel ,

Georgien

Anna K. E.

Rearmirrorview, Simulation is Simulation, is Simulation, is Simulation
Kommissarin: Ana Riaboshenko
Kuratorin: Margot Norton
Ort: Arsenale

Betritt man den georgischen Pavillon, wähnt man sich in einer futuristischen Bad-Ausstellung. Anna K. E. (geb. 1986) hat in den kleinen Raum ein großes stufenförmiges Stahlgerüst gesetzt. Es ist mit hochglänzenden pulverbeschichteten Platten verkleidet – weiße auf der vorderen, schwarze auf der rückwärtigen Seite. Auf den Stufen angebracht sind Armaturen aus glänzendem Chrom. Aus einigen Hähnen fließt Wasser. Andere, kreisförmige Armaturen haben keine erkennbare Funktion. Aufgelockert wird die strenge Installation durch farbige Streifen und Muster, die zackenförmig über die Stufen zucken.

In das Podest eingelassen sind verschiedene kleine Bildschirme. Gezeigt werden ältere Videoarbeiten der Künstlerin, darunter das 2011 entstandene skurrile Gloss of the Forehead. Darin bewegt sich die Anna K. E. in gebückter Haltung und mit entblößtem Hinterteil durch ihr Atelier. Als ausgebildete Balletttänzerin setzt sie in vielen ihrer Arbeiten den eigenen Körper ein. Genauso gut beherrscht sie aber das Vokabular von Architektur, Design und Kunst.

REARMIRRORVIEW nennt die in Georgien geborene Künstlerin ihren Biennale-Beitrag, was man mit „Blick in den Rückspiegel“ übersetzen könnte. Ist das eine Anspielung auf ihre älteren Arbeiten? Und in welche Richtung verweist uns der absurde Untertitel „Simulation is Simulation, is Simulation, is Simulation …“? Allen Besuchern des georgischen Pavillons, die des georgischen Alphabets mit dem wunderschönen Namen Asomtavruli nicht mächtig sind, wird zudem eine Bedeutungsebene von Anna K. E.’s Installation entgehen: Die vermeintlichen Armaturen sind in Wirklichkeit Buchstaben und bezeichnen in ihrer phonetischen Aussprache das englische Wort „deranged“ – zu Deutsch…

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