Ausstellungen: Köln · S. 343
Ausstellungen: Köln , 1990

Jürgen Kisters

Gerd Bonfert

Galerie Mautsch, 13.10.-11.11.1989

Die Szenen, die der Kölner Photokünstler Gerd Bonfert sichtbar macht, tragen auf den ersten Blick bereits die Spur eines technischen Verfahrensprozesses, die sich auch in der weiteren Betrachtung kaum zurückdrängen läßt. Dennoch hat der Künstler zweifellos Inhalte im Visier und nicht bloß die Varianten einer technischen Spielerei. Das Thema ist die Erscheinung der menschlichen Person, einerseits als Körperschema, andererseits als das Gebilde der sogenannten Identität. Ich, was ist das?

Der Kopf eines Mannes auf einer Photographie von Bonfert zeigt die Ähnlichkeit mit einem Totenschädel. Das Gesicht wirkt geschwollen und durchlöchert, die Züge sind fast bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Der Betrachter ahnt darin die Einwirkung von Gewalt und die Kraft zersetzender Prozesse. Unter der gewöhnlich geschlossenen Oberfläche des menschlichen Gesichts verbirgt sich ein Schauplatz wirrer Energien. Das läßt nach der Macht unbewußter Prozesse fragen, erinnert an die plötzlichen Ausdrucksschwankungen, die ein Gesicht beherrschen, flüchtige Niederschlägemehr oder weniger deutlicher Schwankungen in der Seelenverfassung.

Die photographischen Selbstportraits von Gerd Bonfert, die hier beschrieben werden und die in der Galerie Mautsch zu sehen waren, weisen eine frappierende Verwandtschaft zu den Bildern des irischen Malers Francis Bacon auf. Wo sich bei Bacon allerdings ein Abgrund und eine spürbare Verunsicherung auftun, provozieren Bonferts Photographien allenfalls ein laues Nachdenken. Was bei den malerischen Selbstprotraits Bacons ein eindringliches Bild von der menschlichen Animalität und Verletzlichkeit enthüllt, verblaßt in Bonferts Photographien zu einem größtenteils technischen Effekt. Die zwangsläufig durch das photographische Medium erzeugte Immaterialität schiebt das Bildmotiv unweigerlich auf eine technische Ebene.

Der Künstler, der die Verzerrungen bei…

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