Ausstellungen: Stuttgart · von Martin Blättner · S. 342
Ausstellungen: Stuttgart , 2010

Martin Blättner

Gerda Taro

»Krieg im Fokus«

Kunstmuseum Stuttgart, 30.1. – 16.5.2010

Kriegerische Bildfolgen, weibliche Milizionäre und republikanische Soldaten in einer Foto- und Diaschau mitten im Kunstmuseum Stuttgart: diese „Krieg im Fokus“-Ausstellung bricht mit gewohnten Erwartungshaltungen an einem Ort, der sonst eigentlich eher der puren Ästhetik gewidmet ist. Aber auch die eher semantische Diskussion, ob die aktuellen Bündnis-Verpflichtungen in Afghanistan als „kriegerische“ Handlungen zu bewerten sind oder nicht, steht hier nicht zur Debatte.

Untersucht und dokumentiert werden vielmehr das veränderte Medienverhalten und der riskante Strategiewechsel der Bildjournalisten im Spanischen Bürgerkrieg. Der Fotograf verzichtet auf die Sicherheit der neutralen Distanz, das Bemühen um authentische Visualisierung der militärischen Handlungen erhöhte freilich die Lebensgefahr. Den engagierten und mutigen Einsatz als Bildjournalistin bezahlte Gerda Taro mit dem Tod. Im Jahr ihres 100. Geburtstages werden in Stuttgart als einziger Station in Deutschland neu entdeckte Bildfolgen präsentiert: von Negativen, die 2008 in einem Koffer entdeckt worden waren.

Die gebürtige Stuttgarterin Gerta Pohorylle (so der Geburtsname) zog mit der Familie 1929 nach Leipzig, sensibilisierte sich im Umkreis kommunistisch-sozialistischer Schülerzirkel für politische Grundhaltungen.

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 emigrierte die Jüdin nach Paris. Kontakte im Umfeld professioneller Fotografen und der Job in einer Bildagentur verhalfen ihr zur Beherrschung des fotografischen Handwerks, aus der Beziehung mit André Friedmann entwickelte sich das Team der Fotoreporter Gerda Taro und Robert Capa. Lange stand Gerda Taro im Schatten ihres Lebensgefährten Robert Capa, erst im Laufe der Monate als Kriegsfotografin entwickelte sie ihr eigenes Profil, heute gilt sie als dessen Pionierin.

Als am 5. August 1936 Taro und…

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