Monografie , 1974

7. Folge

Gerhard Lenz

Mein Kalkül, meine Lust an der Spekulation, haben sich nach ganz nüchternen wirtschaftlichen Überlegungen als richtig erwiesen: Im Laufe der Zeit war der Marktwert der Sammlung um etwa das Dreifache gestiegen.‘ So vernahmen es die Zuhörer des Hessischen Rundfunks am Vormittag des 7. Mai 1971 in der Sendereihe ‚Kunststücke mit Kunst‘. Aus dem Mund des Sammlers Gerhard Lenz, von dem bis dahin kaum jemand gehört oder gelesen hatte, dessen Sammlung zeitgenössischer Kunst gleichwohl zu den größten ihrer Art in der Bundesrepublik zählte.

Damit aber nur ja nicht der Eindruck entstand, hier habe es der geneigte Zuhörer mit einem jener abscheulichen Kunstspekulanten zu tun, beteuerte Gerhard Lenz: ‚Daß ich dennoch den Ankauf von Kunstwerken unter einem anderen, den Aktienspekulationen nicht vergleichbaren Aspekt betrieben habe, mag die Tatsache beweisen, daß noch keines meiner Bilder verkauft wurde.‘

Drei Jahre und vier Monate später überraschte der gleiche Lenz mit der Nachricht, daß seine Sammlung zum Verkauf stehe. Und zwar in Bausch und Bogen, Bild für Bild. Insgesamt fast 300 Stücke, darunter 150 großformatige, von über 40 Künstlern – fast ausschließlich aus dem Bereich von ‚Zero‘ und dessen internationalem Umfeld: Mit mehr oder weniger repräsentativen Arbeiten von Fontana, Yves Klein, Manzoni, Tinguely, Soto, Agam, Schoonhoven, de Vries, Morellet, Aubertin, Mavignier, Colombo, Bonalumi, Castellani, Simeti, Verheyen, Cruz-Diez, Bury, Megert, Holweck, Goepfert, von Graevenitz, Girke, Graubner, Uecker, Mack und Piene, und und und.

Mit der Nachricht von der Verkaufsabsicht, die in die westdeutsche Kunstszene wie eine Bombe einschlug, überraschte Lenz selbst viele seiner engsten Freunde.

Mit einem Schlag war…

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von Willi Bongard

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