Ausstellungen: Bremen · S. 299
Ausstellungen: Bremen , 1988

Heinz Thiel

Gerhard Rühm

GAK (Gesellschaft für aktuelle Kunst), 15.4.-22.5.1988 Kunstverein Frankfurt, 1988

Über Gerhard Rühm zu schreiben, verführt erst einmal zu Einordnungs- oder gar Abgrenzungsversuchen. Man charakterisiert den in Köln Lebenden, in Hamburg Lehrenden und in Österreich Geborenen und Aufgewachsenen gern als Grenzgänger oder als Mehrfachbegabung. So ein Versuch der Klärung hat allerdings meist den Effekt eines Spinnennetzes: Man verfängt sich, obwohl man sich gerade erst Raum geschaffen hat. Von der Poesie zu Musik und zu bildender Kunst gibt es zwar direkte und indirekte Verbindungen, aber nie sind es problemlos begehbare Brücken. Auch als Herausgeber oder literaturhistorischer Autor steht Rühm im Kontakt mit den verschiedenen Sparten der zeitgenössischen Kultur.

Wenn man etwas von Rühm erfahren will, sollte man Einteilungs- und Einordnungsbemühungen aufgeben. Ob ‚Grenzgänger‘ oder ‚Mehrfachbegabung‘ ist letztlich unerheblich, denn es kommt nicht auf eine Addition an, sondern aufs Ganze. Und das Ganze ist: Rühm ist ein Concept-Künstler. Was er tut, ist vorgedacht, ist als Statik, als Skelett oder als Konzept vorgegeben. Rühm ist kein narrativer Phantast, und dennoch gibt er gerade der Phantasie einen weiten Spielraum. Er stellt allerdings sich und der Kunst(-ausübung) Bedingungen. Er schränkt die Vielfalt der Möglichkeiten ein auf das, was innerhalb eines wiederkehrenden Rhythmus machbar ist.

Von den drei Künsten, die Rühm beherrscht und innerhalb derer er sich betätigt, sind die Musik und die Poesie reproduzierbare Künste, die bildende Kunst, in derer sich bisher ausschließlich der Zeichnung widmete, ist es mit Entschiedenheit nicht. Aber natürlich gibt es Verbindungswege zwischen diesen Werk-Teilen – über die visuelle Poesie und über die…

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