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Titel: Das Gartenarchiv · von Jerry Saltz · S. 222 - 225
Titel: Das Gartenarchiv , 1999

Laura Stein

Laura Stein gärtnert. Wie die meisten Gärtner ist sie mit den Launen einer Kraft konfrontiert, die sich der menschlichen Kontrolle entzieht. Anders als die meisten Gärtner kreiert Stein „Strange Fruit“ („Seltsames Obst“). Sie profitiert vom Gärtnern als schöpferische Kraft – darin liegt das Transformationspotential. Sie verwendet uralte Techniken der Gartenarbeit und wandelt dabei auf den Spuren von Mendel, dem Vater der Vererbungslehre, von Gertrude Jekyll, der Mutter der Gartenbaukunst, und von Martha Stewart, Inbegriff der 50er-Jahre-Hausfrau. Sie bedient sich traditioneller Zuchtmethoden, um temporäre pflanzliche Skulpturen zu schaffen. Der Künstlerin geht es nicht darum, die Natur zu „verbessern“ oder sich zunutze zu machen. Im Gegenteil: Sie übt mit ihrer Arbeit humorvolle Kritik an solcherlei Bestrebungen, indem sie aus Kunststoff Hohlformen von ganz gewöhnlichen Tieren und Pflanzen herstellt, mit deren Hilfe sie Pflanzen zu tierischen Formen wachsen läßt. Die Fotografien dieser ephemeren Früchte veranschaulichen den Prozeß der Generation und Degeneration, wie er sich durch Manipulation und Kontrolle ergibt.

Jerry Saltz: Warum arbeiten Sie mit lebendigen Dingen – Pflanzen, Natur etc.? Wie hat sich das in Ihrer Kunst entwickelt?

Laura Stein: Der Unterschied zwischen Kultur und Natur fasziniert mich; es ist etwas ganz Grundlegendes, aber ein gutes Vehikel, um Spannung zu erzeugen. Die Natur muß am Ende gewinnen. Wir könnten sie zwar beherrschen, aber ich stelle fest, daß das nicht geschieht. Vielleicht eine Zeitlang, aber am Ende läuft es doch darauf hinaus, daß die Natur stärker ist. Ich habe Tomaten mit Gesichtern gezogen. Die Tomate ist ein zartes, weiches Ding, aber wenn sie in…

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