Gespräche mit Künstlern , 2009

Lutz Fritsch

Standortmitte

Die Vermeidung der Monumentalität

Ein Gespräch von Roland Schappert

Plastische Arbeiten besetzen in der Regel Orte – mit einem spezifischen Raumbezug oder autonom. Sind sie mehrteilig, wie wir es von Brancusis Ensemble aus Säule, Tisch und Pforte bis zu Kippenbergers „U-Bahn Stationen“ her kennen, so lassen sich mit ihnen imaginäre Netze spinnen, welche Umraum sowie Denkraum gleichermaßen betreffen.

Lutz Fritsch ist Bildhauer, Zeichner, Fotograf, Filmemacher und Polarreisender. Bereits die Doppelausstellung „Räume Welten“ im Museum Ludwig sowie im Museum für Ostasiatische Kunst in Köln 2007 verdeutlichte die große Konsequenz, mit der Fritsch (geb. 1955) seine minimalistischen Mittel spielen lässt im Zeichen einer Welt aus Linie und Raum. Siehe hierzu auch Kunstforum International Bd. 184. Ich schrieb in diesem Zusammenhang vor zwei Jahren über die Arbeiten von Fritsch: „Fritsch schafft Werke, die tatsächlich als Zeichen für sich verändernde Räume und Raumvorstellungen gesehen werden können. Seine Arbeiten strukturieren, betonen oder akzentuieren bestehende Räume und visualisieren neue Raumsituationen. Sie besetzten dabei jedoch keine Orte.“

Galten damals noch „Stand der Dinge“ (Pforzheim 1991), zwei dreißig Meter, je 5° aus dem Lot aufragende, rote Stelen sowie „Rheinorange“ (Duisburg 1992), eine fünfundzwanzig Meter hohe, leuchtend orange lackierte Plastik am Zusammenfluss von Ruhr und Rhein, als seine vermeintlich monumentalsten Werke, so verdeutlichte sich schon: Schlichte Größe und Maß sind bei Fritsch nicht einem absoluten Maßstab ausgesetzt. Seine Plastiken lassen sich wie „Landmarken“ in ständig neue Blick-Ort-Bezüge setzen und man ist sich am Ende gar nicht sicher, ob sie überhaupt überwiegend als plastische Gestaltungen angesehen werden – oder in ihrer konzeptuellen Zeichenhaftigkeit.

Im…

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von Roland Schappert

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