Titel: postdigital 1 · von Florian Cramer · S. 112
Titel: postdigital 1 , 2016

Goodiepal

„Radikales Computing“

Ein Gespräch von Florian Cramer

Dass Goodiepal als Exzentriker gilt, verstellt bisweilen den Blick auf einen radikalen Denker und Universalkünstler. Der Faröer und Däne wurde in den 1990er-Jahren als elektronischer Musiker bekannt. In den frühen 2000er-Jahren lehrte er am Institut für elektroakustische Musik der Königlichen Musikakademie in Aarhus. Dort entwickelte er sein Konzept „radikaler Computermusik“ sowie ein Kompositionssystem auf der Basis von Baukastenspielen, das er unter anderem auf der 5. Berlin Biennale 2008 vorstellte. Im selben Jahr brach er mit elektronischer Musik und schrieb ein Pamphlet „Fünf Schritte eines Gentlemankriegs gegen die Dummheit moderner Computermusik und Medienkunst“. Er hat seitdem keinen festen Wohnsitz, ist über Briefpost an seine Eltern und Großeltern erreichbar und reist zu seinen internationalen Auftritten mit einem selbstgebauten Fahrrad, dessen frühe Version namens „Kommunal Klon Komputer 2“ in der Nationalgalerie Kopenhagen steht.

Florian Cramer: Deine Arbeit wird oft in Räumen für zeitgenössische Kunst gezeigt, aber eigentlich begann sie als Musik. Hat sich da etwas verschoben?

Goodiepal: Ich nenne sie noch immer Musik. Mir wird immer mehr bewusst, dass man mich langsam, aber sicher in den Kunstbetrieb abgeschoben hat.

Du hast eine Spieluhr, einen mechanischen Vogel, gebaut und Dein Hab und Gut an Dein Publikum verschenkt. Gibt es eine Verbindung zwischen der Spieluhr und dem Verschenken?

Ich fände es wunderbar, wenn es da eine Verbindung gäbe. Kennst Du sie vielleicht?

Ich hätte da schon eine Vermutung. Man könnte beides als Konsequenz der Hackerkultur begreifen …

Ja, sehr wahrscheinlich stimmt das. Es war ganz einfach. Ich hatte Musik…

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