Ausstellungen: Hannover , 2003

RAINER UNRUH

Gotthard Graubner: „Farblicht“

Kestner Gesellschaft, Hannover, 16.5 – 3.8.2003

Der Meister der Farben im Hause des Lichts: „Farblicht“ heißt die nach 1969 zweite Einzelausstellung von Gotthard Graubner in der Kestner-Gesellschaft, und das Gebäude an der Goseriede erweist sich einmal mehr als der perfekte Ort, um eine Kunst in Szene zu setzen, bei der es auf feinste Nuancen und Schattierungen ankommt. Das von oben hereinflutende Tageslicht bringt, je nach Tageszeit und Wetter, ein Cadmiumrot zum Glühen oder ein Orange zum Brennen. So hell und in so warmen Tönen wie in einigen der neueren Arbeiten, die zum Teil erstmals gezeigt werden, hat Graubner noch nie gemalt.

Das Herz der Ausstellung, die 43 Werke aus dem Zeitraum von 1988 bis 2003 umfasst, bilden die in Halle III gezeigten Farbraumkörper, auch Kissenbilder genannt. Man kennt die Technik, man weiß, wie Graubner seine in den Raum hineinragenden Bilder mit Synthetikwatte auspolstert. Und es ist oft beschrieben worden, wie er bis zu 20 Liter Farbe in Watte und Leinwand eindringen lässt und wie er das Material so lange bearbeitet, bis die Farben wie ein Hauch über dem Bild zu schweben scheinen. Und doch ist das Resultat jedes Mal neu und anders, lädt jedes Bild aufs Neue dazu ein, individuell entdeckt und erschlossen zu werden. Graubners Werke sind ein Fest für die Sinne. Sie zelebrieren den schönen Schein einer makellosen Malerei, und dies durchaus im kunsthistorischen Bewusstsein der Debatte um die Erweiterung des Bildbegriffs seit 1960ff. Aber so sehr diese Arbeiten in der Moderne verankert sind, so sehr verweigern…

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