Ausstellungen: Bonn · von Susanne Boecker · S. 412
Ausstellungen: Bonn , 1999

Susanne Boecker

»Große Illusionen«

Demand – Gursky – Ruscha

Kunstmuseum Bonn, 17.6. – 15.8.1999

Man sollte sich nichts vormachen lassen von der Fotografie – schon gar nicht im „digitalen Zeitalter“. Das zumindest ist die Prämisse einer Ausstellung im Kunstmuseum Bonn, die mit Fotoarbeiten von Thomas Demand, Andreas Gursky und Ed Ruscha das Zweifeln lehren will. Die hier aufgestellte Behauptung einer durch neue Techniken gewissermaßen unmerklich untergeschobenen fotografischen „Scheinwelt“ ist nicht ganz ungefährlich. Suggeriert doch die These, im digitalen Zeitalter sei die Beziehung von Fotografie und Wirklichkeit „fragwürdig“ geworden, eine bislang vorhandene Deckungsgleichheit beider, die erst seit kurzem durch neue Techniken unterminiert wird. Dass dem nicht so ist und nie so war, belegt schon die simple Beobachtung, dass ein Stück Papier kein Baum, ein Stück Film kein Haus ist. Nicht das Verhältnis von Illusion und Wirklichkeit scheint hier das eigentliche Thema, sondern die Frage nach der Autonomie des fotografischen Bildes – ein Status, der Gemälden von jeher zuerkannt wird. „Kunst oder Nicht-Kunst?“ sollte die Frage besser lauten – nicht „Kunst oder Wirklichkeit?“

Bezeichnenderweise können sich viele Foto-Künstler immer noch nicht souverän über diese vermeintliche Qualifikationshürde hinwegsetzen und ersinnen statt dessen ausgeklügelte Tricks zur Herstellung „nicht-wirklicher“, also rein „künstlicher“ fotografischer Bilder. Thomas Demand (geb. 1964) hat es hier insofern zur Meisterschaft gebracht, als dass er seine kleinen Bildwelten – ein Spülbecken, ein Stück Rasen, Garagen, eine Weltkarte oder einen Korridor – möglichst optisch naturgetreu, jedoch in kleinem Maßstab aus Papier bastelt. Er stellt dem eigentlichen fotografischen Akt also eine kunsthandwerkliche Arbeit voran und entzieht das C-Print damit…

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