Monografie · von Willi Bongard · S. 81
Monografie , 1974

5. Folge

Günther Uecker

Den Künstler Günther Uecker vorzustellen, erübrigt sich. Dazu hat er schon zu viele Nägel in die jüngere Kunstgeschichte eingeschlagen. Was seine Bekanntheit anbelangt, so wird er gegenwärtig nur noch von einem anderen deutschen Künstler der Gegenwart übertroffen, der auch in Düsseldorf lebt, sozusagen um die Ecke. In Oberkassel. Und dennoch scheinen Welten zwischen den beiden zu liegen. Was sie jedoch nicht gehindert hat, Arbeiten auszutauschen. Um sich damit gegenseitig Respekt zu bezeugen.

Ein erstaunlicher Vorgang, dieser Tausch, wenn man sich die Unterschiedlichkeit der beiden Künstler vor Augen führt: Hier der ‚Idealist‘, der Filz- und Fett-Magier, der Kunst und Leben zu amalgamieren trachtet und dem jedes Partikelchen seiner Kunst etwas bedeutet. Da der ‚Realist‘, der sich als Erfinder versteht und dem die Nägel, die er einschlägt, nichts (weiter) bedeuten, außer, daß sie Schatten werfen, Bilder erzeugen, Räume schaffen, Zonen bilden, sensibilisieren.

Auf der einen Seite dieser Asket (mit dem Filzhut), in dessen unwohnlicher Wohnung nicht ein Bild hängt, noch eine Skulptur steht. Auf der anderen Seite die personifizierte Sinnlichkeit eines Günther Uecker, der über eine wahre Schatzkammer verfügt, die jedes Sammlerherz höher schlagen läßt: Bilder über Bilder, Zeichnungen, Graphiken, Objekte und Skulpturen.

Künstler müßte man sein! Auf daß man ’nur‘ zu tauschen braucht. Ein Nagelbild gegen drei Beuys-Zeichnungen beispielsweise. Freilich, ein gestandener Künstler muß man obendrein sein. Wie Günther Uecker – beispielsweise. Und ein gerüttelt Maß Fortune gehört wohl auch dazu.

Einen Glücksfall bedeutete es im Künstlerleben des – damals 28jährigen – Günther Uecker, daß er den französischen Neu-Realisten Arman kennenlernte. Durch Arman,…

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