Ausstellungen: Bern , 1986

Helmut Draxler

Hacken im Eis

Kunsthalle Bern, 8. März – 6. April 1986
Museum moderner Kunst, Museum des 20. Jh., Wien, 10. Mai – 13. Juli 1986

»Hacken im Auge« hieße besser diese Ausstellung, denn sie schmerzt den Nerven des Sehsinns, der Empfindsamkeit bildlicher und künstlerischer Eindrücke überhaupt. Was hier von fünf jungen Malern, twens, zusammengetragen wurde, sieht nicht nur verdammt ähnlich aus, wie die Kritik allerorten hämisch registrierte, nein, das, was als jüngste österreichische Malerei ausgegeben wird, fühlt sich obendrein fatal an wie Beton. Nach dem ersten Rundgang festigt sich der Eindruck, daß keiner dieser Maler auch nur einen Strich mehr wird malen können, den er nicht schon l0mal getan hat. Das Schlimme nun: dieser Eindruck trügt gewiß.

Verantwortlich für die Auswahl zeichnet der neue Leiter der Berner Kunsthalle Ulrich Loock; vom Wiener Museum moderner Kunst wurde die Schau unverändert übernommen und nur den räumlichen Gegebenheiten des 20er Hauses angepaßt. Die Hängung geschah noch recht passabel. locker, schwingend, den Raum rhythmisierend. Doch auch damit war nicht zu vermeiden, daß der Blick von diesen Bildern, die für sich, allein sein wollen und von innersten Ekstasen erzählen, immer abschweift, beeinträchtigt wird durch ein nächstes, das schon wieder überreden, überzeugen, überwältigen will.

Der Grundfehler in der Konzeption der Ausstellung liegt in einer historischen Unwahrheit. 1979 bereits hatten Herbert Brandl und Gerwald Rockenschaub eine erste Gemeinschaftsausstellung. Hier liegt gewissermaßen die Urzelle jener losen Künstlergruppe, die sich anfangs mehr mit Musik (»molto brutto«) beschäftigte und deren jeweilige Einzelpositionen sich mühelos zwischen Brandls furioser Gestik und Rockenschaubs petit Geometrie einordnen…

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