Monografie , 1983

Hanna Frenzel

Hanna Frenzel „performent“. Ihre Performance ist wörtlich als Aufführung, als Leistung und als Werk zu sehen.

Sie versucht dabei einem Publikum gleichnishaft wie bei einer Charade durch ein Vorführen, ein Vorspielen ihre Message sinnlich zu übermitteln.

Diese Sinnlichkeit läßt sich auch in dokumentierenden Photographien ihrer Aktionen erfahren und ist das eigentliche Medium ihrer Arbeit. Es lassen sich damit Inhalte zum Ausdruck bringen, die sich unserem diskursiven Denken entziehen und Erinnerungen auslösen, die in den tieferen Schichten unseres Gedächtnisses gespeichert sind. Das Wasser, in dem sie sich bewegt, wird zur pränatalen Umwelt, zum uteralen Fruchtwasser.

Der Ballon, mit dem sie sich umgibt, löst Assoziationen aus von Haut, Gewebe und Fruchtblase, von Einengendem und gleichzeitig Beschützendem, eine begrenzte Luftblase, in der man ersticken wird, aber ohne die man ertrinken müßte.

Das Miterleben ihrer Performance hat die Wirkung einer Zeitmaschine: Sie erlaubt dem Zuschauer ein sinnliches und spontanes Zurückgleiten in ein Stadium, in dem das Welterleben noch nicht optisch und die Gesten noch nicht kommunizierend sondern existentiell waren.

Ugo Dossi

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