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Ausstellungen: Köln · von Berit Hempel · S. 398 - 398
Ausstellungen: Köln , 1991

Berit Hempel
Harald Fuchs

Galerie Hiltrud Jordan, Köln, 12.10. – 12.11.1991

Spiegel auf dem Bauch des reparierten Jägers“ ist der seltsame Titel einer Ausstellung von Harald Fuchs. So undurchsichtig sich der Titel anhört, so bringt er doch die (scheinbaren) Gegensätze in den Objekten und Fotografien des Künstlers treffend zum Ausdruck. Das Bild des Spiegels fußt auf Mythen, die davon erzählen, daß dieser spiegelnde Gegenstand böse Geister abwehrt. Der Jäger ist Mittelpunkt jener uns so fremden Welt der unerklärbaren Phänomene; seine Reparatur ist ein unwirklicher Gedanke, dessen Ursprung in der physischen und zugleich westlichen Welt liegt. Für Harald Fuchs haben beide Welten bzw. Erklärungsmodelle ihre Berechtigung, und er verbindet sie in seiner Ausstellung in der Galerie Jordan sogar auf ungewöhnliche Weise.

Dreimal war Harald Fuchs bereits in Togo. Beim letzten Mal brachte er schwarzweiße Fotos vom Wudu-Markt mit zurück: Tierteile wie Köpfe, Schädel, Schnäbel und Klauen liegen aufgereiht nebeneinander, nach einem bestimmten Muster angeordnet, Reihe für Reihe. Diese Ordnung verwandelt der Grafiker und freischaffende Künstler wieder in Unordnung. Die großen Fotos sind zusammengesetzt aus einzelnen Fotografien, die sich überlagern oder Flächen dazwischen freilassen. Kanten und Motive überschneiden sich oder fehlen. Harald Fuchs hat eingegriffen in die ursprüngliche Symmetrie, er ist aktiver Gestalter der unheimlichen Szenerie, wobei er den Zufall gänzlich ausscheidet und die Umsetzung rational wirkt. Das Unbewußte und seine Ängste finden sich aufgesplittert hinter einem Glasrahmen wieder.

Demgegenüber scheinen die dreidimensionalen Objektkästen mit den Gummiblasen wie aus einem Labor entwichen, wissenschaftliche Modelle einer anderen Denkstruktur. Auf fragilen Notenständern aufgebaut, sind sie leicht zerbrechlich. Innerhalb…


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