Ausstellungen: Alexander Braun · von Alexander Braun · S. 313
Ausstellungen: Alexander Braun , 2012

Alexander Braun

David Reed

»Heart of Glass – Gemälde und Zeichnungen 1967–2012«

Kunstmuseum Bonn, 28.6. – 7.10.2012

Zwei Ausstellungen erklärten zwischen 1993 und 1995 die damals tot geglaubte Gattung der Malerei für wiederauferstanden: »Der zerbrochene Spiegel« (in Wien und Hamburg) und »Abenteuer der Malerei« (in Stuttgart und Düsseldorf). In beiden Ausstellungen war David Reed, geb. 1946 in San Diego, mit Bildern vertreten. Reed schien damals als ein idealer Repräsentant einer Malergeneration, die die existentialistische Geste des Abstrakten Expressionismus mit der kargen Strenge der Minimal Art und dem munteren Anything-goes der Pop Art im Geiste der Postmoderne zu versöhnen vermochte: Pollock versus Judd, Kalifornien versus US-Ostküste, die 1950er, die 1960er und die 1970er alles schien irgendwie auf in diesen slicken schmalen Bildpanoramen vereint, die keine Scheu vor optischer Raffinesse zeigen und auch vor Tricks nicht zurückschrecken: Schichtungen, Durchblicke, jähe Abbrüche und eine mitunter exzentrische Dramaturgie der Fülle, die aber auch die Leere souverän auszuhalten vermag. Vor allen Dingen Reeds Markenzeichen, extrem illusionistische Schleifen-Ornamente, waren auf der Höhe einer Zeit, die sich an Computeranimationen von DNA-Ketten und »Apfelmännchen«-Mandelbrot-Mengen erfreute.

Im Rückblick aus dem Jahr 2012 betrachtet, erweist sich vieles davon als Schimäre: selbstverständlich ist die Malerei nie tot gewesen, die Postmoderne als Begriff hat sich längst verbraucht und Reeds malerischer Bogen schlägt sich weit über die US-Kunst der 1970er-Jahre hinweg (in deren Spannungsfeld er sich zweifellos künstlerisch sozialisierte) zu Bildern des Barock bis zu Cézanne. Und Reeds berühmte Schleifen sind tatsächlich alles andere als ein aufwendig übertragener Photoshop-Trick, sondern das Resultat einer einzigen konzentrierten malerischen Geste: Reed…

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