Ausstellungen: Basel · von Martin Pesch · S. 382
Ausstellungen: Basel , 1999

Martin Pesch

Henrik Håkansson

Kunsthalle Basel, 18.9. – 21.11.1999

Ein schöner Kontrast ist in der Basler Kunsthalle zu erleben. Um zu Henrik Håkanssons Ausstellung zu gelangen, muss man zuerst an den gesammelten Bibliotheksfotos von Candida Höfer entlang schreiten. Deren Ruhe, Klarheit und gut ausgeleuchtete Detailfülle verschwinden, sobald man in das kleine Forschungslabor des schwedischen Künstlers eintritt. Dort herrscht Dämmerlicht, von Videobeamern, die Projektionen an die Wände werfen, erzeugt; man hört ein permanentes, sich aber stetig veränderndes Geräusch, an einer Wand hängen viele kleine Papiere, der Tisch in der Mitte ist überfüllt mit Material: Gläser, ein Mikroskop, technische und wissenschaftliche Geräte und ein bisschen Verpflegung für den nicht anwesenden Forscher. Während Höfer Zeugnisse hochkultureller Errungenschaften präsentiert, die bei ihr allerdings auch den Anschein des Verschwindens haben, holt Håkansson die von Nichtbeachtung und Zerstörung bedrohte Natur in den Kunstraum.

In Basel wird seit Jahren die Begrünung von Flachdächern gefördert, um das Binnenklima der Stadt zu verbessern, aber natürlich auch, um jeweils eigenständige Biotope zu schaffen. Das ist der Anlass von Håkanssons Installation „Tomorrow and Tonight“. Seit Jahren beschäftigt er sich mit natürlichen Prozessen und der Möglichkeit, sich künstlerisch mit ihnen auseinander zu setzen. Die natürlichen Abläufe werden bei ihm, ähnlich wie in einigen Arbeiten von Mark Dion oder Daniel Bräg, zu Entsprechungen der Prozesshaftigkeit der Kunst.

Håkansson hat innerhalb der auf dem Kunsthallendach angelegten Bepflanzung Mikrofone und Videokameras installiert. In seiner Ausstellung kann man sehen und hören, was sie aufzeichnen. Hält man sich dort etwas länger auf, sieht man viele Vorgänge: ein Käfer krabbelt, ein Wurm kriecht…

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