Ausstellungen: Esslingen , 2004

MICHAEL HÜBL

Henrik Håkansson

„An Introduction to the Birds“

Villa Merkel, Galerien der Stadt Esslingen am Neckar, 28.2. – 18.4.2004

Sollten die globalen Klimaveränderungen eines Tages Südwestdeutschland in eine tropische Zone verwandeln, so wäre Stuttgart für diesen Fall allemal gerüstet. In der Wilhelma, dem mit schwäbischer Gründlichkeit gepflegten botanischen und zoologischen Garten, wird jede Menge an Pflanzen und Tieren vorgehalten, die in der Lage wären, ihren Lebensraum in eine aufgeheizte urbane Wildnis auszudehnen. Einen fühlbaren Eindruck von den Naturbedingungen in den Tropen vermittelt schon jetzt das Amazonienhaus, „das neueste, mit immensem technischen Aufwand errichtete Gebäude der Wilhelma“1. Das künstliche Ökotop bietet Dschungel live: „Auf 1200 m² umbauter Fläche sieht man in einer grandiosen, künstlich gestalteten Felslandschaft Pflanzen und Tiere aus dem oberen Amazonas-Regenwald. Im üppigen Grün von Kapok- und Mahagonibäumen, Assaipalmen, Kanonenkugelbaum, Puderquastenstrauch und Bananen leben u.a. Brüllaffen, Weißgesichtssakis und Goldkopflöwenäffchen. Freifliegende Vögel wie Sonnenrallen, Blatthühnchen, Tangaren und Kolibris bevölkern den Urwald. Im Becken unterhalb eines tosenden Wasserfalls findet man Kaimane und verschiedene Fischarten aus dem Amazonas“2.

Die Villa Merkel in Esslingen, eine Viertel-S-Bahn-Stunde vom Ort des exotischen Geschehens entfernt, bot jetzt für knapp sieben Wochen Kontrastprogramm als Lehrstück in Sachen Dialektik der globalisierten Postmoderne und ihres Verhältnisses zur Natur. Henrik Håkansson gab hier „An Introduction to the Birds“. Größer hätte der Gegensatz zu dem glashausgeschützten Stuttgarter Wild-Life-Szenario kaum sein können, obgleich sich auch in Esslingen alles um Regenwald, Dschungel, schier undurchdringlich wuchernde Natur drehte. Farbfotos zeigten grünes Dickicht, Filme spulten in Endlosschleifen Innenansichten aus dem Urwald ab, wobei die Kamera wie ein Auge, das…

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von Michael Hübl

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