Ausstellungen: London · von Edgar Schmitz · S. 378
Ausstellungen: London , 2008

Edgar Schmitz

Here We Dance

»Fünf oder sechs Anmerkungen zum Nachleben der Revolte.«

Level 2 Gallery, Tate Modern, 14.3. – 26.5.2008

Schon der Auftakt im Eingang zur Ausstellung besteht aus einer Reihe von Verdoppelungen: Katinka Bocks geteerte Pariser Pflastersteine (‘Le Sol d’incertitude II, 2007) lagern sich auf dem Galerienboden so ab, dass sie gleichermaßen als Wurfgeschosse und Pflasterbelag erscheinen. Neben und über ihnen zitiert Ian Hamilton Finlays Wandtext mit einem Plamphlet von 1790 das revolutionäre Nachleben der Bastille als Freiraum, den es unter dem Motto des ici on danse (von daher auch der Titel der Ausstellung) neu zu bespielen gelte. Der Neonschriftzug zum Text hängt über dem Eingang zum eigentlichen Ausstellungsraum.

Die Pflastersteine, unter denen einmal der Strand gelegen haben sollte, und die Bastilleruine, die jetzt zum Kunstwald umgedacht worden ist, leiten eine Reihe von Wiederbesetzungen ein, die die Theatralik distanzierter Wiederaufführungen als politische Form in Anspruch nehmen. Yvonne Rainer steht dabei mit ihrer theatralischen Vietnamannäherung ‘WAR’ (1970) historisch für die Verbindlichkeit eines politischen Projektes ein, aus dem die Ausstellung sich (zumindest jenseits von Ian Hamilton Finlay) insgesamt zu speisen scheint: Vietnam und die Unvermittelbarkeit dieses Krieges sind hier mit den moralischen und politischen Imperativen der späten 60er Jahre so verkoppelt, dass die Emphase dringender politischer Notwendigkeit immer mit dem nostalgischen Eingeständnis grundlegender Unzulänglichkeit vermengt ist.

Wenn Johanna Billing so in ‘Project for a Revolution’ (2000) Michelangelo Antonioni zitiert, wird dabei aus der Studentenversammlung in Zabriskie Point und der Art, wie sie nach-psychedelisch Rassen- und Geschlechterpolitiken umspielt, ein Stillleben von Gesichtern und Fast-Gesten. Antonionis Umdeutung…

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