Ausstellungen: Berlin · S. 351
Ausstellungen: Berlin , 1984

Hermann Schenkel

Galerie Lietzow, Berlin

Schon ein Jahr nach der letzten Ausstellung in der Galerie Lietzow in Berlin-Charlottenburg zeigt der 1948 geborene Hermann Schenkel, in seinen Berliner Studienjahren Schüler von Hans Kühn und K. H. Hödike, im APRIL / MAI wieder neue Zeichnungen am gleichen Ort. Seine Arbeiten, zumeist mit Ölkreide und Graphit auf Papier ausgeführt, erhalten nicht erst durch ihre großen Formate (in vielen Fällen in Höhe und Breite 100 cm überschreitend) Charakter und Gewichtigkeit von Gemälden. Die bravouröse Ausnutzung des Bildraums, konzentriert und doch mit großer Geste, ist dem Künstler scheinbar mühelos von der Hand gegangen.

Hermann Schenkel zeichnet Menschen, fast immer junge Männer. Es sind nicht unbedingt individuelle Personen, eher läßt sich ein Typus erkennen, der gewisse Ähnlichkeiten mit der Physiognomie des Künstlers nicht leugnet. Doch das sind Nebensächlichkeiten, denn genau bestimmbar sind Thema oder Motiv der Bilder nicht. Auch die Titel sind da zurückhaltend, deuten an oder führen auch mal in die Irre, keinesfalls beschreiben sie erkennbare Handlungen. Die Menschen sind einfach da, fixieren den Betrachter, machen gemeinsame Erfahrungen oder streiten sich miteinander.

Kunsthistorische Anregungen hat Schenkel vor allem von den frühen Expressionisten aufgenommen, von Kokoschka etwa oder Egon Schiele, dessen ernst-asketisches Antlitz bei Schenkel einen fernen Widerhall findet. Schenkels Zeichnung „Wendung“, die einen Mann mit angewinkeltem erhobenem Arm zeigt, ähnelt Schieles zeichnerischer Selbstdarstellung als „Stehender männlicher Akt“ von 1910. Einen anderen Ahnherrn zitiert Schenkel eher indirekt: Ernst Ludwig Kirchner. Schenkels Zeichnung „Fraenzi“, die einzige, bei der er fast die ganze Bildfläche kompositorisch einbezieht, nimmt Bezug auf das Lieblingsmodell der…

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