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Ausstellungen: Frankfurt a.M. · S. 337 - 337
Ausstellungen: Frankfurt a.M. , 1989

Heinz Thiel
Hilmar Boehle

waschSalon galerie, 21.1.-26.2.1989

Hilmar Boehles objekthaften und skulpturalen Arbeiten haben einen ausgeprägt konzeptuellen Charakter; dem Spekulativen neigen sie durchaus zu, dem Narrativen aber nie. Was Boehle dem Betrachter vor Augen stellt, sind keine Anekdoten, die sich mit dem Erzählen erledigt hätten. Das Erzählen sieht Boehle auch eher als den Anteil des Betrachters an, er selbst kümmert sich um die Ausdruckskraft des Materials, nicht die einer Inhaltlichkeit.

Die Skulpturen kann man als Aktions-Plastiken bezeichnen, denn sie lösen im Betrachter die Vorstellung eines Ablaufs aus. „Sing-Sing“ ist ein ausdrucksstarkes Beispiel dafür. Die Skulptur besteht aus einer stelenförmigen Plastik und fünf gerahmten Bildern: Auf einer sich verjüngenden hölzernen Säule steht als Abschluß ein Käfig, wie er in Sizilien als Transportbehälter für Singvögel gebräuchlich ist. Darauf bezieht sich der erste Teil des Titels – auf den oder die Singvögel. Der zweite Teil des Titels wird lebendig durch die Kombination einer offenen Käfig-Gittertür und auf Gitterstangen hängende Vogelschiß-Tropfen. Unterhalb des Käfigs liegt ein Stapel steifer Kartons, von denen der obere „beschissen“ ist. Fünf solcher „Dripping“-Kartons hängen bereits gerahmt an der Wand. Der „Produzent“ ist aber offensichtlich ausgeflogen oder ausgebrochen. Wenn man eine Skulptur so zutreffend nacherzählen kann, dann wird der Hinweis darauf, daß Boehle keine Geschichten erzählt, im Grunde unglaubwürdig. Aber das kann nur jemand sagen, der diesen Schluß schon zieht, wenn er nur bemerkt hat, daß es narrative Teile in und an der Skulptur gibt. Beim Weiterdenken nämlich fällt auf, daß die Geschichte kein Ende hat und auch keine Pointe; sie beginnt immer…


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