Ausstellungen: Frankfurt a.M. · von Martin Pesch · S. 380
Ausstellungen: Frankfurt a.M. , 1996

Martin Pesch

Himmel und Erde

»Frauen in Gewaltverhältnissen«

Dominikanerkloster, Frankfurt/M., 1.9. – 15.10.1995

Ihrer Themenstellung nach gehört „Himmel und Erde“ auf den ersten Blick in eine Reihe von Ausstellungen, die in den letzten zwei Jahren durchgeführt wurden: „Game Girl“ (Zürich), „Bad Girls“ (New York/Los Angeles) und „Oh boy, it’s a girl“ (München/Wien). Ihre Entstehung unterscheidet sie aber grundsätzlich von diesen Präsentationen.

Bei einer Tagung der Synode der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau, die sich mit dem Verhältnis von Männern und Frauen in der Kirche beschäftigte, wurde 1990 der Beschluß gefaßt, sich mit dieser Problematik intensiver auseinanderzusetzen. 1991 erhielt die Arbeitsstelle für Erwachsenenbildung der EKHN in Darmstadt den Auftrag, Diskussionshilfen für Projekte zu erstellen, die sich im Arbeitsfeld „Gewalt gegen Frauen“ befanden. Hier wurde auch erstmals die Möglichkeit einer Ausstellung erwogen. Diese rückte in der folgenden Zeit in den Hintergrund, weil die in der Sozialarbeit (z.B. in Frauenhäusern) tätigen Mitarbeiterinnen an konkreten Hilfen interessiert waren und sich nicht an der Vorbereitung einer Kunstausstellung beteiligen wollten/konnten. Um dieses Projekt zu retten, wurde eine Gruppe von fünf Frauen eingesetzt, die sich der Realisierung widmeten.

Ihr Ansatz bestand darin, „sich den Fragen von Macht und Herrschaft, von Tätern und Opfern, von Urteilen und Vorurteilen und sich den tradierten Bildern von Männlichkeit und Weiblichkeit zu stellen“. Dabei kam man zu dem Schluß, so die Projektleiterin Cornelia Rohloff, „daß durch Kunst die Differenzierung und Komplexität des Themas sehr gut vermittelbar ist“.

Diese Vorgeschichte soll das Spannungsverhältnis deutlich machen, in dem diese Ausstellung steht: Eine dem Kunstbetrieb fremde Institution erkennt ein gesellschaftliches Problem und möchte über…

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