Gespräche mit Künstlern · von Heinz-Norbert Jocks · S. 272
Gespräche mit Künstlern , 1994

Frank Stella:

»Ich benutze den Stil, der mir gerade in den Kram paßt«

Ein Gespräch von Heinz-Norbert Jocks

Frank Stella, Synonym für Überraschung auf dem Feld ästhetischer Erweiterung, hat ein opulentes, in disparate Gruppen zerfallendes Werk hervorgebracht. Mit seinen geglückten und glückenden Versuchen, die Abstraktion in ungewöhnliche Richtungen zu treiben, setzte er weder Schönheitskonventionen erliegende, noch auf vorschnelle Ausgewogenheit drängende Zeichen. 1936 geboren, gehört er zu jenen amerikanischen Künstlern, deren weiterführender Entwurf sich als Reaktion auf die Generation der abstrakten Expressionisten begreifen läßt. Als sein Ziel bezeichnete er es einmal, „Raum zu schaffen – Raum, der nicht durch Dekoration oder Illustration kompromittiert ist, Raum, in dem die Subjekte der Malerei leben können.“ Kein Zweifel besteht darüber, daß sich aus den Bildern der fünfziger und sechziger Jahre, die in ihrer gedämpften Farbigkeit und in ihrer Verneinung illusionistischer Räumlichkeit überzeugten, ganz organisch und weniger spektakulär als angenommen jene Raumkollosse wuchsen, deren Maximalismus den Minimalismus ablösten. Daß Stella an einer Aura der Abstraktion arbeitet, zeigt seine „Moby-Dick-Serie“, entwickelt auf der Folie des Romans von Herman Melville. Zu dieser markanten Version des Nichterzählens erschien nun im Cantz-Verlag ein in Aufmachung und Inhalt überzeugendes Buch. In New York, wo Frank Stella lebt, sprach Heinz-Norbert Jocks mit dem Künstler über Perspektiven und Tendenzen.

*

H.-N. J.: Apropos Erinnerung, welches ist die erste an Kunst?

F. St.: Meine Mutter bemalte die Fenster meines Schlafzimmers zu Weihnachten mit dem Heiligen Nikolaus. Es gefiel mir, daß sie ein Fenster als Maluntergrund benutzte und zur Ölfarbe griff und wie da abends Licht durchdrang. Da meine Mutter…

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