Gespräche mit Künstlern , 2002

SOPHIE CALLE

„ICH HASSE INTERVIEWS“

EIN GESPRÄCH MIT FABIAN STECH ANLÄSSLICH DER VERLEIHUNG DES SPECTRUM PREISES FÜR FOTOGRAFIE 2002

Das eigentliche Medium von Sophie Calle ist das Buch. Viele ihrer Ausstellungen werden Bücher, und an der Ecole des Beaux Arts lehnte sie einen Lehrauftrag für Kunst ab und unterrichtet stattdessen Literatur. In „Disparitions“ und „Fantômes“ ersetzen Beschreibungen von Museumsangestellten und Fotografien die Leerstellen von gestohlenen, zerstörten oder geliehenen Bildern von Rembrand, Vermeer, Modigliani u.a. In „Doubles jeux“ manifestiert sich in Form von sieben Büchern ein Teil ihrer Arbeit, der 1980 mit der „Suite venitienne“ begann, in der sie einem Unbekannten folgte. 1981 drehte sie das Spiel in „Filature“ um und ließ sich selbst von einem Privatdetektiv überwachen. Paul Auster hatte in seinem Buch „Leviathan“ von 1992 auf ein nicht realisiertes Drehbuch über Sophie Calle zurückgegriffen, um Maria, eine seiner Figuren, mit Sophie Calles Ritualen auszustatten. In „Double jeux“ benutzt Sophie Calle nun die Geschichten der fiktiven Person Maria, um sich selbst zu realisieren. Sie ging soweit, Paul Auster zu bitten, ihr ein Buch zu schreiben, das sie ein Jahr leben könne. Doch ihr ein wirkliches Leben auf den Leib zu schreiben, war für Paul Auster zu viel Verantwortung. So ließ er es dabei bewenden, ihr Instruktionen zu geben, wie sie sich in New York zu verhalten habe. Sophie Calle wählte als Ort eine Telephonzelle, um seine Anweisungen in die Tat umzusetzen. Sie putzte die Zelle, stellte einen Stuhl daneben, lächelte Passanten an. Es ist natürlich kein Zufall, dass ihre Projekte zu Büchern werden,…

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