Titel: I love New York , 1998

STEPHEN KEENE:

»Ich male, wie ich atme«

Wo und wie lebst du in New York?

Ich lebe in Greenpoint in Brooklyn, nördlich von Williamsburg, in der Garage eines zwanzig Fuß breiten und etwa hundert Fuß langen Gebäudes. Nun stelle ich Kunst in Massenproduktion her. Das heißt, ich fertige pro Ausstellung zwischen ein- und fünftausend Gemälde an. Ich besitze allein zwölf, in meinem Atelier hintereinander aufgestellte Staffeleien, an denen gleichzeitig bis zu fünfzig kleine Bilder entstehen können. Im Grunde eine ernsthafte Aktivität. Wie der Bäcker seine Brote, so stelle ich Multiples her und versorge verschiedene Kunden mit Dekorationen. Die Leinwände, an denen ich gleichzeitig arbeite, stehen in einer Reihe, so daß ich von Staffelei zu Staffelei wechsle, immer dasselbe tuend. Erst einen blauen Strich, dann kommt Gelb, und ich male gelb, gelb, gelb, gelb und dann rot, rot, rot. Am Ende des Tages sind alle Bilder fertig. Selbstverständlich liegt mir daran, sie so gut wie eben möglich zu machen. Aber ich denke mehr an das Ganze, also an die Montage von Tausenden von Bildern, als an jedes einzelne Gemälde.

Verstehst du dich als Erzähler?

Na gut, ich male mehr figurativ als abstrakt. Aber es geht mir um Informationen, aus denen sich eine Erzählung ergibt. Wenn hundert unterschiedliche Bilder an der Wand hängen und diese mit unterschiedlichen Worten versehen sind, so fragt man sich, was mag wohl das Ganze bedeuten. Doch ich selbst tue das nicht. Es ist das Spiel der Betrachtung.

Was sind deine Hauptthemen?

Wenn ich zu Bildern aus Zeitungen oder zu Postkarten greife, denke ich nicht…

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von Heinz-Norbert Jocks

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