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Ausstellungen: München · S. 292 - 292
Ausstellungen: München , 1989

Gabi Czöppan
Igor Sacharow-Ross

Zwischenfelder
Galerie Dany Keller, 25.10.-26.11.1988

Ein gewaltiges Rohr-Objekt durchdringt den Raum, setzt sich unterdröhnend vibrierenden Klängen über 18 Meter fort, durchstößt schließlich nach 33 „Wirbeln“ (der menschlichen Wirbelsäule nachempfunden) in einer martialischen Eisenspitze das Fenster. Spätestens beim überwältigenden Anblick jener titelgebenden „Zwischenfelder“-Installation im abgedunkelten Hauptraum der Galerie wird deutlich, daß Igor Sacharow-Ross eine drastische, fast theatralische Sprache zur Entfaltung seiner effektvollen „Kraftfelder“ verwendet. Das 20 Meterlange, durch zwei unsichtbare Lautsprecher düster dröhnende Rohr deutet auf der anderen Seite des Raumes auf eine sechsteilige Stahlwand mit einem riesigen Blatt: Ein Punktstrahler beleuchtet wie unter einem aufgeblähten Mikroskop einen kreisrunden, wuchernden Fleck: die Zelle einer Metastase.

Der Exilrusse, der 1947 im ostsibirischen Chabarovsk geboren wurde und seit zehn Jahren im Westen lebt, sucht mit reduzierten Mitteln, wie Licht, Metall, Holz oder präparierten Blättern, jenen Bereich auszuloten, in dem sich Natur und Technik berühren. Naturwissenschaften, Biologie, Physik, Elektronik sind die Sparten, mittels deren Sacharow-Ross in seinen Arbeiten auch die rationale Bewußtseinsschwelle des Betrachters überschreiten will.

Riesige Bananenstaudenblätter, auf die Vergrößerungen von Krebszellen, Atommodellen, Röntgen- oder Mikroaufnahmen eingeklinkt sind, verkörpern in ihrer exotischen Maßlosigkeit nicht nur die bedrohte, sondern auch eine bedrohliche Natur. Auf seinen „Blattikonen“ geht es Sacharow-Ross schließlich auch um die Bewahrung des Lebendigen an der Grenze zu seinem Verschwinden, um den Zugriff und die Aneignung von Natur. Ihr mystisch-kosmisches Pathos können diese achsialsymmetrischen, frontalen Blätter selbst in oxidierten Eisenträgern nicht verleugnen.

Auf seinen „Transformationsschemata“ und „Projektarbeiten“ manifestiert sich der mythisch-rituelle Kurzschluß zwischen Leben und Tod, Natur und Technik auch in geheimnisvoll anmutenden…


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