Titel: 50. Biennale Venedig · von Michael Hübl · S. 298
Titel: 50. Biennale Venedig , 2003

INDONESIEN: Dadang Christanto, Arahmaiani, Tisna Sanjaya, Made Wianta
Indonesien gehört zu den Ländern Südostasiens, die von der globalisierten Wirtschaftskrise besonders hart betroffen sind. Die ausländischen Direktinvestitionen, die im letzten Viertel der 90er Jahre rund sechs Mrd. US-Dollar erreichten, sind völlig eingebrochen; hinzu kamen wiederholt bewaffnete Konflikte zwischen der Zentralregierung auf der Insel Java und separatistischen Bewegungen. Zum Trauma wurde der 12. Oktober 2002: Der Terroranschlag auf eine Diskothek im balinesischen Kuta traf Indonesien mitten in einem Demokratisierungsprozess, der 1998 mit dem Sturz des autoritären Regimes von General Suharto einen ersten sichtbaren Erfolg nach sich zog. Der Künstler Dadang Christanto nimmt mit seiner Arbeit „Cannibalism“ auf die revolutionären Ereignisse Bezug, aber im wesentlichen ist es das Attentat vom Oktober 2002, das in Venedig den düsteren Grundton vorgibt. Erstmals seit 1954 nimmt Indonesien wieder an der Biennale teil – zum zweiten Mal überhaupt und mit einer Ausstellung, die den Titel trägt „Paradise Lost: Morning of the World“. Ein trauriges Wortspiel: „Morning of the World“ hatte der indische Ministerpräsident Jawaharlal die Insel genannt, als er in den 50er-Jahren Bali besuchte.

Das Bombenattentat am Jalan Legian, der Amüsiermeile von Kuta, wird mit aller Drastik von Made Wianta thematisiert, dem einzigen der vier Künstler, der auf Bali geboren und aufgewachsen ist. In einem komplett abgedunkelten Raum hat er ein ovales Eiland aus zwei Tonnen Reis aufgehäuft – eine Art Mandala, auf dem Bruchstücke von Plastikskeletten als Symbole für die Toten ausgelegt sind. An den Wänden hochvergrößerte Fotografien, die bald nach der mörderischen Attacke entstanden;…

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