Gespräche mit Künstlern , 1985

Interview mit Helmut Federle

INTERVIEW MIT HELMUT FEDERLE

MB: Das Geometrische innerhalb der Abstrakten Kunst war sehr stark von der Tendenz der Purifizierung, der Rationalisierung und der Autonomisierung geprägt.

HF: Ich glaube, daß die geometrische Malerei in ihren stärksten Phasen nie nur sich selbst Inhalt war, sondern sie hatte immer Bezüge zu bildexternen Aspekten.

MB: Die ‚Austreibung‘ von psychisch und magischen Beimengungen aus dem Bildfeld war aber z. B. ein erklärtes Ziel innerhalb der amerikanischen Malerei der 50er Jahre; etwa Frank Stellas ästhetischer Nihilismus: What you see is what you see?

HF: Aber auch bei den radikalsten Rationalisten ist es nie gelungen, diese Dinge total auszuschließen, so auf der einen Seite bei den Zürcher Konkreten (Lohse, Bill usw.), auf der ändern die Monochromen.

MB: Wie siehst du deine Malerei im Verhältnis zu den Zürcher Konkreten?

HF: Sehr konträr, weil meine Arbeit ein stark sentimentales, religiöses Anliegen beinhaltet und nicht.ein mathematisches.

MB: Wie siehst du auf der anderen Seite diese ‚religiöse Haltung‘ gegenüber den heute verbreiteten ästhetischen Strategien des Spiels und der Ironie!

HF: Die religiöse Werthaltung entsteht aus der Überzeugung von der Richtigkeit des Verhältnisses von Bild und emotionalen Inhalten. Es ist mir bewußt, daß diese Haltung heute nicht sehr verbreitet ist. Aber wenn eine Sache stark ist in ihrer Richtigkeit, z. B. im Farbauftrag, dann kommt halt doch ein religiöses Moment dazu, auch wenn es nicht gewollt ist. Die Qualität zeichnet sich durch die Konzentration, die Stimmigkeit (Richtigkeit) und die Vermittlung eines Anliegens aus.

MB: Stimmigkeit, Richtigkeit – verbirgt sich dahinter nicht auch der Glaube an eine Harmonie?

HF:

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von Markus Brüderlin

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