Titel: 52. Biennale Venedig , 2007

Tschechische Republik
Kurator: Tomas Vlcek

Die Installation von Irena Jùzová im Pavillon der Tschechischen und Slovakischen Republik ist ganz in Weiß gehalten. Sie wirkt klar, geordnet, ein wenig unterkühlt und erinnert entfernt an die Inneneinrichtungen luxuriöser Flagship-Stores. Das hier ausgestellte Warenangebot ist allerdings sehr speziell: es gibt ausschließlich Körperabgüsse der Künstlerin. Die Objekte aus transparentem Kunstkautschuk werden auf Podesten, in Vitrinen und in geöffneten Schachteln präsentiert, das absolute Luxusmodell – die Ganzkörperfassung – in einem zentral positionierten Glaszylinder. In ihrer „Collection Series“ spielt Irena Jùzová mit verschiedenen Facetten der Oberfläche respektive Oberflächlichkeit: sie reduziert ihre physische Gestalt auf eine farblose Hülle ohne Inhalt. In Serie produziert, verlieren diese Abgüsse jeden Hauch von individueller Lebendigkeit und mutieren zu zweckfreien Konsumartikeln. Auch die Displays, auf denen die Abgüsse dargeboten werden, sind oberflächlich und hohl. Aus weißer Wellpappe locker zusammengesteckt, imitieren sie andeutungsweise die äußere Form architektonischer Elemente. Irena Jùzovás Installation zeigt Form ohne Inhalt, Serialität statt Individualität, Ware statt Kunst, Leere statt Fülle und ist damit letztendlich auch eine Metapher für die Sinnentleertheit moderner Konsumkultur.

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von Susanne Boecker

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