Ausstellungen: Köln , 2009

Annelie Pohlen

Isa Genzken

Sesam, öffne Dich!

Museum Ludwig, Köln, 15.08. – 15.11.2009

Um es gleich zu sagen, die nach ihrem Start in der Londoner Whitechapel Gallery noch einmal erweiterte Retrospektive im Museum Ludwig ist so schön und gemein wie die Zauberformel aus 1001 Nacht, die als ihr Titel verführt und die Hoffnung auf einen deutungstauglichen Schlüssel grandios enttäuscht. „Sesam, öffne Dich!“ ist im kulturellen Gedächtnis gespeichert wie eine Floskel zum Kindergeburtstag, ein wenig so wie Simsalabim. Deren Hintersinn aus offensiver Beschwörung und verschlüsselter Grausamkeit treibt Isa Genzkens Ausstellung ihrer künstlerischen Immanenz wegen in den zutiefst vertrackten ‚status quo’ von Kunst und Gesellschaft. „Sesam, öffne Dich!“ mutiert von der leichtfüßigen Zauberformel zu einer konzisen Form geistiger, sinnlicher und emotionaler Befindlichkeit zwischen sehnsüchtigem Höhenflug und verwirrenden Abstürzen. Was alle Zaubermeister zum selbstverständlichen Repertoire zählen, ist die im Nachhinein überraschend plausibel erscheinende Umlenkung der Erwartungen auf ein vielleicht logisches, wiewohl unerklärliches Ergebnis. Kinder staunen, Erwachsene suchen nach dem Trick. Dafür hat Isa Genzken in diesem ebenso präzise wie spannungsreich inszenierten Schlingerkurs an jeder Ecke die schönsten Belege geliefert. Das nicht zuletzt auch deshalb, weil sie die eher missratene Architektur der Ausstellungsräume mit zauberhafter Formsicherheit – subtile Eingriffe inklusive – für die künstlerische Dramaturgie zu nutzen weiß.

Faktisch gibt die mit mehr als 70 Werken bestückte Ausstellung einen Überblick von den frühen, formal reduzierten „Ellipsoiden“ und „Hyperbolos“ bis zu ihrer jüngsten, ungeniert aus der Alltagskultur gespeisten Installation „Straßenfest“, 2008. Was – wie im Ausstellungsbetrieb nicht unüblich – als Gang von der Gegenwart in die Vergangenheit vorgeführt scheint,…

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von Annelie Pohlen

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