Ausstellungen: Hamburg , 2015

Hajo Schiff

Isa Melsheimer

»Kontrastbedürfnis «

Ernst Barlach Haus, Hamburg, 12.7. – 4.10.2015

Die Architektur stöhnt unter Investoren-Optimierung und hat es oft schwer, als Kunst zu bestehen. Da ist es gut, wenn sich bildende Künstler der Bedingungen urbaner Lebensräume annehmen und mit frischem Blick an vergessene Qualitäten des gebauten Erbes erinnern. Für ihre Ausstellung im abrissfreudigen Hamburg hat die Berliner Künstlerin Isa Melsheimer die hiesige Baukultur fokussiert, wie sie sich in dem 1962 eröffneten Ernst Barlach Museum exemplarisch zeigt. Dessen Architekt war Werner Kallmorgen (1902-1979). Er hat auch den Kaispeicher A realisiert, der heute die Basis der Elbphilharmonie bildet. Und er hat – im Geburtsjahr der Künstlerin 1968 – das Ensemble aus SPIEGEL- und IBM-Hochhaus fertiggestellt.

Einer der Ausstellungsräume des Museums mit seinen Oberlichtern und Steinpodesten ist weitgehend im Originalzustand der 60er Jahre. Isa Melsheimer verstärkt dessen Charakter durch Nutzen der originalen Vitrinen, bricht aber die Retro-Situation durch Interventionen voller Pop-Zitate. Aus einer runden Deckenöffnung dringt eine Fadenverspannung wie eine Lichtsäule in den Raum, zusammen mit einer aus Glasplättchen addierten, sci-fi-haften Plastik erinnert das an „Raumschiff Enterprise“, an Beamer-Strahlen oder Lichttunnel. Zwar ist diese schon 2009 erstellte Plastik eine Reverenz an die Architekturutopien der Künstlergemeinschaft Gläserne Kette, speziell an einen Theaterbau des Architekten Wassili Luckhardt von 1921, dient hier aber als gelungenes Entree zur Nachkriegsmoderne. Denn in den klaren Linien dieser Architektur gab es stets die Utopie einer schönen neuen Zukunft – auch über die Erde hinaus. So räumt Isa Melsheimer in Kallmorgens puristischer Hochvitrine auch einfachem Plastikspielzeug einen edlen Auftritt ein: Der Cosmic…

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