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Ausstellungen: Kassel/Valencia · S. 292 - 295
Ausstellungen: Kassel/Valencia , 1990

Michael Hübl
Italiens Moderne

Futurismus und Rationalismus zwischen den Weltkriegen

Museum Fridericianum, Kassel, l28.1. – 25.3.1990

IVAM Centre Julio Gonzalez Valencia, 5.4. – 5.6.1990

Die Kunst ist.“1 konstatiert Carlo Belli gleich zu Beginn seines Manifests „Kn“. Der Text kam 1935 heraus. Er war damit die erste Abhandlung, die in Italien zum Thema „abstrakte“ Kunst erschien. Ihr Autor war Maler, Kunstkritiker und Schriftsteller, hatte 1924 während eines längeren Deutschlandaufenthaltes das Bauhaus kennengelernt und gehört zu den Gründern der Mailänder Galerie „Il Milione“. In „Kn“, einer von ideologischem Furor beflügelten und von geballter Polemik durchsetzten Ansammlung kunsttheoretischer Leitsätze, bekennt sich Belli zum Absoluten, denn: „Das Relative führt zum Komischen.“2 Er präfiguriert mit dem eliptischen Satz „Der Scharfschütze in der Kunst“ 3 die Schieß-Aktionen, mit denen Niki de Saint-Phalle Anfang der 60er Jahre auf sich aufmerksam machte, stellt fest, daß Kolbe abzulehnen sei, und beschreibt die seiner Ansicht nach ideale Präsentation künstlerischer Arbeit: „Eine Ausstellung von Kunstwerken, die keine Titel tragen und nicht signiert sind, ohne jeden menschlichen Bezug, und die durch einfache algebraische Bezeichnungen voneinander unterschieden sind: K, K1, K2,…Kn (Kn soll für diese Idee stehen).“4

Die von Belli propagierte asketische Haltung mochte Pate gestanden haben, als man im Kasseler Fridericianum daranging, die Ausstellung „Italiens Moderne. Futurismus und Rationalismus“ einzurichten. Wohl enthalten die Titel mehr als karge Algebra, doch im Gesamt stellt sich die Schau als eine spröde – traditionelle Präsentation von Gemälden, Plastiken, Fotografien, Architekturmodellen und Entwürfen dar, die selbst dort, wo es um Gebrauchsgegenstände geht, auf alles Heimelige verzichtet. Hatte man Venedigs Palazzo Grassi 1986…


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