Magazin: Museen & Institutionen · von Martin Blättner · S. 398
Magazin: Museen & Institutionen , 1993

Martin Blättner

Janusköpfiges Geschenk

Die Stadt Nürnberg plant, ihre ostasiatische Sammlung an das Völkerkunde-Museum in München zu verschenken

Behutsam rollt Mathias Mende vom Stadtgeschichtlichen Museum in Nürnberg ein kostbares Blatt japanischer Malerei auf: Zum Vorschein kommt ein brüchiges und von Pilzen befallenes Gemälde, das zu schlimmsten Befürchtungen Anlaß gibt. Knapp zweihundert Gemälde, Plastiken und Keramiken – entstanden zwischen dem 12. und 19. Jahrhundert – umfaßt diese Sammlung, die der kunstsinnige Volkswirtschafts-Professor Fuchs zusammengetragen und 1933 der Stadt vermacht hat. Sie ist ohne erheblichen Aufwand kaum noch zu retten. „Das Konvolut befindet sich weitgehend in einem sehr schlechten Zustand“, bestätigte jüngst auch Dr. Adele Schlombs, Direktorin des Museums für Ostasiatische Kunst in Köln. Dort wurde über ein halbes Jahrzehnt der finanzielle Aufwand einer Restaurierung überprüft und schließlich als nicht lohnend im Verhältnis zum Wert der Objekte verworfen. Auch Mende rechnet mit Kosten in Millionenhöhe. Deshalb wollte er die Sammlung möglichst bald in fachkundigen und sanierungswilligen Händen wissen. Daraus wird nun wohl nichts, denn die Ostasien-Abteilung des Staatlichen Museums für Völkerkunde in München, die sich kürzlich bereit erklärte, die Bestände aufzunehmen, knüpft inzwischen eine Bedingung daran: Die Stadt müsse die Kosten für die Restaurierung selbst tragen. Die Blätter und Stücke waren bereits transportfähig in Kisten verpackt – da erhob der Nürnberger Galerist Heribert Sorko Einspruch, woraufhin der städtische Kulturausschuß die endgültige Entscheidung vertagte – die Objekte wurden inzwischen wieder ausgepackt. Sorko wehrt sich gegen die Abschiebe-Aktion und plädiert statt dessen dafür, für ein halbes Jahr einen japanischen Restaurator zu bestellen und asiatische Sponsoren zu gewinnen….

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