Gespräche mit Künstlern · von Ursula Maria Probst · S. 232
Gespräche mit Künstlern , 2003

EDGAR HONETSCHLÄGER

JE NÄHER DIE WELT RÜCKT, DESTO WEITER GEHT SIE AUSEINANDER

EIN GESPRÄCH MIT URSULA MARIA PROBST

Edgar Honetschlägers Filme ‚MILK‘, ‚L+R‘ und die Trilogie ‚colors‘ wurden bereits bei internationalen Filmfestivals, im Kino und im Fernsehen präsentiert. Derzeit arbeitet der Künstler an seinem jüngsten Filmprojekt, dem Roadmovie ‚Los Feliz‘. Die imaginäre Kräfte von Sehnsüchten, wie sie durch die Traumfabrik Hollywood produziert werden, demontiert Edgar Honetschläger in seinem Kurzfilm ‚George in Hollywood‘, der mit dem Song ‚If I only had a heart‘ gesampelt ist. Edgar Honetschläger spannt in seinen Filmen komplexe Geschichten über das Aufeinandertreffen verschiedener kultureller Codes und Individualismen. In einem Zeitalter ansteigender Nationalismen, einer wachsenden Intoleranz gegenüber dem ‚Anderen‘ kann so dem Film wieder eine wichtige politische Funktion zugeschrieben werden. Edgar Honetschlägers filmische Exposés bewegen sich im Crossover zwischen Spiel-, Dokumentar- und Experimentalfilm.

Ursula Maria Probst: In deinem neuesten Film ‚Los Feliz‘, an dem du gerade arbeitest, geht es um die Liebe oder vielmehr um die Sehnsucht danach, wie sie vor allem durch Hollywoodfilme suggeriert wird.

Edgar Honetschläger: Eigentlich geht es mir darum, dem Phänomen nachzugehen, woher diese Vorstellung von Liebe kommt und wie sie heute durch Medien und Hollywoodfilme transportiert wird. Ich verbinde diese Vorstellung mit der deutschen Romantik. Bereits in meinem Film ‚L+R‘ existiert der Satz von Donald Richie: „Trotz ihrer Intelligenz hatte sie nie über ihre Gefühle nachgedacht und hatte sicher nicht erfasst, dass auch Gefühle trotz allem nichts als Ideen sind.“ Und damit stimme ich überein. Unlängst stehe ich auf dem Flughafen und beobachte, wie eine Japanerin von ihrer…

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