Ausstellungen: Klosterneuburg · von Petra Noll-Hammerstiel · S. 378
Ausstellungen: Klosterneuburg , 2015

Petra Noll

Johanna Kandl

»Konkrete Kunst«

Essl-Museum – Kunst der Gegenwart, Klosterneuburg bei Wien,9.10.2015–31.1.2016

Bewusst eine falsche Fährte legt der schlau gewählte Titel der Personale „Konkrete Kunst“ der in Wien und Berlin lebenden Künstlerin Johanna Kandl im Essl Museum (Kurator: Günther Oberhollenzer). Der Museumskontext lässt zunächst an die gleichnamige, auf mathematisch-geometrischen Grundsätzen basierende Kunstrichtung denken. Konkrete Kunst – für Kandl sind das direkte, präzise, realitätsnahe Aussagen über die konkreten Dinge des Lebens und deren Umsetzung in gegenständlich-kritische Bild-/Text-Malerei.

Nicht nur auf Grund des architektonisch schwierigen, trapezförmigen Großen Saals des Museums hat sie sich für eine Petersburger Hängung entschieden. Das Kosmopolitische, Farbenfrohe und Dynamische ihrer Arbeiten wird damit noch einmal unterstrichen. Ausgestellt sind nicht nur ihre bekannten, meist mit Tempera auf Holzplatten oder Leinwand gemalten und mit ironisch-provokanten Texten beschrifteten Bilder – mit einigen Beispielen aus aktueller Zeit –, sondern auch eine neue Serie, in der sie sich exzessiv mit den Ingredienzien von Malmitteln beschäftigt sowie Videoarbeiten (zum Teil in Zusammenarbeit mit ihrem Mann Helmut Kandl).

Seit vielen Jahren setzt sich Kandl mit gesellschaftlichen Themen auseinander, insbesondere mit globalen ökonomischen Vernetzungen, mit Markt- und Handelsstrukturen und den Auswirkungen des Kapitalismus’ auf den Menschen.

Ein Ausgangspunkt ihrer konsumkritischen Botschaften ist die eigene Betroffenheit über den Konkurs der elterlichen Farbenhandlung in Wien-Floridsdorf in den späten 1960er-/1970er-Jahren, Folge der rasanten Entstehung von Baumärkten. Beim Ehepaar Essl, den Gründern der Baumarkt-Kette „Baumax“, auszustellen, ist dabei nicht ohne Brisanz, obwohl zahlreiche ihrer Werke bereits lange in der Sammlung vertreten sind. Es wäre nicht Johanna Kandl, würde sie diese Ambivalenz nicht ansprechen – und…

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von Petra Noll-Hammerstiel

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