Ausstellungen: Mönchengladbach , 2004

CLAUDIA POSCA

Johannes Brus

Hauptsache Brancusi

Museum Abteiberg Mönchengladbach, 25.4. – 5.9.2004

Weder sein grünes Rhinozeros noch sein blaues Pferd hat Johannes Brus zum Mönchengladbacher Abteiberg mitgebracht. Und weit und breit ist auch kein „Selbstportrait mit Nubis“ in Gips zu sehen. Die neuen Arbeiten des 1942 in Gelsenkirchen geborenen, heute in Essen lebenden Bildhauers sind anderer Natur, sind – wie es der Ausstellungstitel augenzwinkernd zu verstehen gibt – in der „Hauptsache Brancusi“. Was wiederum Rätsel beschert, hat man doch seine im Rahmen von der „Fotografie des Unsichtbaren“ `97 im selben Haus präsentierten s/w-Fotosequenzen von der „Gurkenparty“ bis zum „Geistertuch“ samt und sonders ihres surreal-magischen Spiels noch in bester Erinnerung vor Augen.

Mit Brancusi aber hatte das zwischen Skulptur und Fotografie oszillierende Werk des Johannes Brus bislang wenig zu tun, oder war jedenfalls für Außenstehende nicht offensichtlich damit liiert. Aus Sicht des Künstlers allerdings nimmt sich das anders aus, kam dieser doch zum ´großen Modernen` über den Umweg eigener Fotografien. Diese, obwohl ziemlich tollkühn als „Anti-Stillleben“ arrangiert, hätten ihn spontan an Brancusis Plastik „Die blonde Negerin“ erinnert. Weshalb er das Abenteuer wagte, den Halbgott moderner Skulptur Brus – eigenmächtig, vor allem aber zwinkernden Auges zu interpretieren: Aus Brancuses „Portrait de Nancy Cunard“ (1927) etwa wurde so ein senkrecht stehendes Melonenviertel in Gips auf Gurkenfuß mit Erdnusshut, präsentiert auf Betonsockel und Tonne, was einer parodistischen Verbeugung vor der Kunstgeschichte gleichkommt, zugleich aber auch einen neuen Schritt in der Werkentwicklung markiert: kein Bruch, aber ein Aufbruch zu neuen Ufern. Schließlich war die Veränderung sowieso schon immer für den…

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von Claudia Posca

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