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Ausstellungen: München · S. 311 - 311
Ausstellungen: München , 1988

Heinz Schütz
Jon Groom

Galerie é, bis 30.1.1988

Grooms Bilder „durchwaltet“ eine spirituelle Poesie – sie unterscheidet seine Malerei trotz ihrer strengen Ordnung von der kühlen Selbstgenügsamkeit des „Neo-Geo“. Ausgehend von der auf den ersten Blick belanglosen Tatsache, daß Groom die Arbeit in abgeschirmten Räumen bevorzugt, ja am liebsten die Fenster mit weißem Papier beklebt sähe, läßt sich der Japaner Tanizaki Jun’ichiro zitieren, dessen „Phänomenologie“ der Papierwand (shoji) sich gleichermaßen als Metapher für Grooms Malerei verstehen läßt, insbesondere was den Weg von der Natur in die Konkretion des Bildes anbelangt – Groom dienen häufig Landschaftserlebnisse als Malanlaß -, was die Vereinheitlichung des Lichts im Hell-Dunkel betrifft, bis hin zu jenen Dichotomien, die wesentliches Charakteri-stikum Groomscher Malerei sind, wenn letztlich der Unterschied zwischen Realität und Irrealität zu oszillieren beginnt. Tanizaki Jun’ichiro schreibt: „Ich bleibe öfters vor diesen ’shoji‘ stehen und betrachte die Papierfläche, die zwar hell ist, aber nicht im geringsten blendet. In den Räumen von mächtigen Tempelbauten wird das Licht wegen des großen Abstandes zum Garten noch weiter verdünnt…. In jedem Rechteck der mit dichtstehenden, senkrechten Leisten versehenen ’shoji‘ bilden sich Schattenwinkel …, man fragt sich verwundert, ob sie denn ewig unbewegt auf dem Papier haften bleiben. In solchen Augenblicken zweifle ich an der Wirklichkeit dieser traumhaften Helle.“ (Lob des Schattens, Zürich, S. 40)

Verfolgt man die Entwicklung von Grooms Malerei, zeigt sich eine zunehmende Reduktion der Bildelemente. Die jüngsten Bilder beschränken sich auf höchstens drei verschiedene Farben; ausschließlich Vertikale und Horizontale bestimmen den Bildaufbau; Farbform und Bildform haben sich zu Rechtecken, respektive…


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