Ausstellungen: Nürnberg · von Martin Blättner · S. 370
Ausstellungen: Nürnberg , 2006

Martin Blättner

Jonathan Monk

Kunsthalle Nürnberg, 9.9. – 5.11.2006

Nein, der seit 1999 in Berlin lebende Künstler Jonathan Monk hat rein gar nichts mit „Mr. Monk“ aus der bekannten TV-Serie zu tun. Während letzterer in der Rolle eines schrulligen Detektivs auf verquere Art Mordfälle aufklärt, macht der 37-jährige Künstler aus England Furore mit kuriosen Performances, die sich immer wieder auf recht vertrackte Weise ausgefallenen Positionen der Kunstgeschichte annähern und das Verfallsdatum der künstlerischen Haltbarkeit zu überprüfen scheinen. Und da tun sich am Ende doch irgendwie assoziative Querverbindungen auf. Jonathan Monk agiert auf dem internationalen Kunstparkett als eine Art Doppelagent zur Aufdeckung kunsthistorischer „Leichen“, die im Keller des fast wieder Verdrängten vor sich hinschlummern. Der Betrachter kann sich nicht immer sicher sein, welche XY-Akte gerade aufgemacht wird oder ob er erneut in die Falle einer recycleten Kunstidee tappt.

Neben dem Zeitbegriff wird auch ganz wesentlich die Urheberschaft und deren Bedeutung im Original und der Kopie thematisiert. Schon im ersten Raum wartet Monk mit einem etwas derben Beitrag auf, der Andy Warhols „Piss Paintings“ fortsetzt. Ein Foto aus dem Jahr 1994 zeigt seine feucht-fröhliche Signatur im Sand „(My Name written in my piss“) – der kunstvoll geschwungene „Jonathan“-Schriftzug ist zweifellos ein Ergebnis hoher Kunstfertigkeit im handwerklichen Bereich, ein Geniestreich wohl dennoch nicht. Ein weitaus intelligenteres Konzept verbirgt sich hinter einer 2,50 Meter langen Stahlstange, die sich einerseits auf die wahre Größe Monks bezieht (177,5 cm) – denn in dieser Höhe ist die Stange poliert, beziehungsweise sandgestrahlt, andererseits wird damit der verbliebene Raum „über seinem Kopf“ (Titel:…

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