Ausstellungen: Hannover · von Michael Stoeber · S. 303
Ausstellungen: Hannover , 2006

Michael Stoeber

Jörg Sasse

»Tableaus und Skizzen«
Kunstverein Hannover, 29.4 – 18.6.2006

Der große Fototheoretiker Vilém Flusser hat den Unterschied zwischen einem Fotokünstler und einem Fotoknipser einmal mit der Fähigkeit des Künstlers beschrieben, den Aufnahmeapparat zu „überlisten“, der als registrierendes Dispositiv zwischen Subjekt und Objekt, zwischen Künstler und Welt steht und nach seinen Bedingungen das Bild formt, das er liefert. Auch heute noch kein schlechtes Unterscheidungskriterium, selbst wenn die analoge Aufnahmetechnik inzwischen immer stärker von der digitalen abgelöst wird und der Computer vielfältige Möglichkeiten der „Bildüberlistung“ bietet. Historisch gesehen, war es genau diese Macht des Apparates, die dem Fotografen lange Zeit die künstlerische Anerkennung vorenthalten hat. Es herrschte die Ansicht, im Grunde liefere der Apparat die Bilder, frei nach der Kodak-Werbung: „You push the button, we do the rest“. Deshalb steht auch bis heute derjenige Fotograf als Künstler hoch im Kurs, der diese Apparatemacht am Ehesten außer Kraft setzt, bzw. sie nach seinem Willen lenkt und leitet, eben sie „überlistet“. Mit diesem Vermögen kappt er die enge Beziehung zwischen der registrierenden Funktion des Apparates und dem daraus resultierenden Bild. Diese enge Bindung nennen die Zeichentheoretiker „indexalisch“. So wie Rauch auf Feuer verweist, so verweist das indexalische Bild nicht nur auf die vermeintliche Identität von wirklichem Bild und fotografischem Abbild, sondern auch zurück auf die Abhängigkeit der Fotografie vom Apparat.

Jörg Sasse ist ein Meister der Apparateüberlistung. Er ist ein Meister, die technischen Möglichkeiten des Apparates so zu nutzen, dass dabei stets eher ein auktoriales als ein dokumentarisches Bild entsteht. Daher rühmen…

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